Der folgende Text stammt von Senke Kaufheuser, unserer Praktikantin. Ihr studienbegleitendens Pflichtpraktikum beim KREM begann im Oktober 2024 und endet am 28. Februar 2026. Wir wünschen ihr für ihre berufliche Zukunft alles Gute.
Wir distanzieren uns vom Inhalt dieses Textes, der die Abschlussarbeit der Praktikantin Kaufheuser bildet.
Herr Waldhofer, ist alles in Ordnung mit ihnen? Herr Waldhofer? Herr Waldhofer!? Ich rufe immer wieder den Namen des alten Mannes. Ich greife die rechte Hand des im Bett Liegenden und ziehe an ihr. Ich ziehe immer heftiger an ihr, so stark inzwischen, dass sich der gesamte Oberkörper ruckartig nach vorne bewegt. Herr Waldhofer, haalloo???! Langsam wird mir klar, dass hier etwas nicht stimmt. Ich schaue mich im Raum um, gehe zur Tür, blicke in den Flur, niemand zu sehen. Ich gehe zurück zum Bett und bleibe einen Augenblick stehen. Soll ich wieder an dem alten Mann rütteln? Ja, warum nicht, denke ich. Ich packe Herrn Waldhofers Schultern und schüttele sie hin und her. Herr Waldhofer, wachen Sie auf! Ich schüttele und schüttele ihn, doch er reagiert nicht. Vielleicht bringt schütteln gar nichts? Vielleicht hat er einen Schlaganfall oder Herzinfakt? Hmm, vielleicht sollte man den alten Mann einfach ignorieren. Vielleicht macht er seine Augen auf, wenn er merkt, dass er nicht mehr im Mittelpunkt steht. Ich höre auf, ihn hin und her zu rütteln, drehe mich um und gehe langsam zum Fenster. Fünf geschlagene Minuten bleibe ich am Fenster stehen, schaue hinaus, beobachte einen kleinen Vogel, doch der alte Mann sagt nichts. Er rührt sich nicht, er macht nichts. Ich gehe zurück zum Bett und bemerke diesen roten Notfallknopf mit Krankenschwestersymbol. Noch einmal entscheide ich mich, ihn durchzuschütteln. HERR WALDHOFER! AUFWACHEN! Sein gesamter Körper rotiert ihm Bett. Aber kein Erfolg. Dann drücke ich den Knopf. Klick. Zehn Sekunden später, ein Pfleger und eine Ärztin eilen ins Zimmer. Was ist passiert, werde ich hektisch gefragt. Dass der alte Waldhofer einfach mitten im Satz bewusstlos wurde, antworte ich. Wie lange ist das jetzt her, fragt die Ärztin. Naja, vielleicht so 30 Sekunden, „schätze“ ich. Genau richtig hätte ich gehandelt, sagt die Ärztin, sofort Hilfeholen sei das Wichtigste, allein fünf Minuten können über Leben und Tod entscheiden. Jetzt soll ich aber den Raum verlassen, das wäre besser für die Notfallversorgung. Ich will nicht, sage ich. Ich habe den Mann gerade interviewt und ich habe dementsprechend ein Recht darauf, das Interview weiterzuführen. Ich beharre auf meinem Interviewrecht. Das wäre ja noch schöner, denke ich. Der Alte hat mir das Interview zugesagt, das GANZE, sage ich nachdrücklich. Ich würde spinnen und solle sofort den Raum verlassen, sagt die Ärztin. Widerwillig schlendere von bösen Blicken begleitet aus dem Raum hinaus und zünde mir direkt im Flur eine Zigarette an. So geht’s nun wirklich nicht, denke ich mir, und verlasse das Pflegeheim „Lebensruh“. Ich trete noch einen Mülleimer am Pflegeheimausgang kaputt, bevor ich meinen ganzen Mut zusammennehme, hochrenne, und noch einmal gegen jeden Widerstand des ärztlichen Personals den alten Waldhofer in seinem Bett durchschüttele. Anschließend kommt es zu unschönen Szenen und ich werde vom Heimgelände geführt. Dankbar ist mir niemand hier. Ich trete einen zweiten Mülleimer kaputt und fahre nach Hause.
Kommentare
PS: Wir brauchen endlich mal einen Kanal, auf dem wir privat die redaktionsinternen Dinge kommunizieren können.
@Christoph und Rüdiger, ich habe Post von der Staatsanwaltschaft bekommen. Könnten wir bitte darüber zeitnah sprechen?
Freundliche Grüße
B ü t t e n s c h e e ß
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