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Ritt ins Blau | Merten Cramer: Wildes Holz

Mein Vorgänger Wilhelm Brannt – Gott habe ihn selig! – hat sich ja mit zunehmender „Lebenserfahrung“ sehr an den Biographien und persönlichen Eigenheiten der Verfasser ausgelassen, selbst wenn schon das Verfasste selbst Grund genug bot, es abzulehnen. Ich möchte mich folglich wieder etwas mehr dem Werk widmen und von der Person weggehen. Das heißt freilich nicht, dass der Lebens- und Schaffensgeschichte des Künstlers nicht auch ein paar Worte zugedacht werden (müssen).

Diesmal will ich den neu erschienenen autobiographischen Roman „Wildes Holz“ von Merten Kramer vorstellen, der bei Völlers & Dekow erschienen ist. Merten Kramer, eigentlich gelernter Buchhalter, kam erst spät zur Schriftstellerei, die er nach eigenem Bekunden „in der Schule des Lebens“ gelernt hat. Dennoch fand sein Debütroman „Zahlen“ im Jahr 2007 viel Beachtung in den Feuilletons. Zwar geht er etwas zu ausführlich auf den von der im Mittelpunkt der Handlung stehenden Firma „DataBasic“ vorgestellten Rechenschaftsb…
Letzte Posts

Es ist Hanjo

Ein rothaariger Mann gigantischen Bauches, Freunde rufen ihn Hanjo, betritt, oder besser, stampft, in ein Geschäft für Schreibwaren. „Guten Tag“, sagt der freundliche Vielfraß, „führen Sie auch Büttenpapier? Ich möchte gerne“, fährt der gutgelaunte Gewichtsmensch fort, „eben solches erwerben.“ „Nein“, entgegnet die kundige Verkäuferin, „den letzten Satz Büttenpapier hat dieser Herr dort“, sie weist mit dem an ihrer rechten Hand befindlichen Zeigefinger auf einen den Laden verlassenen Rentner, „eben mitgenommen. Wenn Sie“, fährt die bemühte Verkaufsdame fort, „sich aber beeilen, könnten Sie ihn vielleicht darum bitten, Ihnen das Papier zu überlassen. Regeln müssten Sie das natürlich untereinander.“ Der wuchtige Koloss nickt mit seinem zentnerschweren Kopf, dreht sich zur Tür, und stapft langsam darauf zu. Das Ladengeschäft erzittert unter seinen dumpfen Schritten. Der emsige Rentner, dessen später Lebenssinn darin zu bestehen scheint, alle Beige-Töne dieser Welt einmal am Körper getrag…

Wie geht Qualitätsjournalismus? #7: Recht

Meine Damen und Herren,
mein Name ist Hajo B ü t t e n s c h e e ß. Als aufmerksamer Leser habe Sie mich sicher schon kennengelernt. Meine große Zeit hatte ich während des wohlverdienten Zwangsurlaubs der gesamten Redaktion.
Als der KREM gegründet wurde, stellten sich Ihnen alle Redaktionen vor. Die Rechtsabteilung ist, wie der Name schon sagt, keine Redaktion, deshalb erfolgte auch keine Vorstellung. Nach dem Willen des Verfassers hätte es auch durchaus dabei bleiben können. Wie Sie vielleicht wissen, bin ich freier Mitarbeiter des KREM, nachdem der Justiziar der Redaktion, Herr Vöhlmann, an einem Leberwurstbrötchen beinahe erstickt wäre und anschließend auf eigenen Wunsch in ein künstliches Koma versetzt wurde, „um mal richtig abzuschalten“.
Das Wort „Recht“ kommt von lat. „rectum“ und bedeutet „Gesäß“. In der Antike war der Gedanke verbreitet, daß der, der zuerst saß, recht hatte. Und so ist es heute noch so, daß, wer etwas be-„sitzt“, auch (gefühlt) mehr Rechte hat als Besitzlos…

Gedanken des Fußballers Kilian Zaue

Wie lang ist es jetzt her, dass ich das erste Mal hier gebolzt habe? 20 Jahre? 25 Jahre? Ich bin direkt hier aufgewachsen, da d­­­rüben, in der Platte da, vierter Stock, mit meinem Vater und meinem Bruder Marven. Er ist zwei Jahre älter als ich und hat auch Fußball gespielt, bis zur C-Jugend, dann war Schluss für ihn. Er wäre gerne bis zur A-Jugend gekommen, aber irgendwann haben die Trainer gesagt, dass sein Potenzial voll ausgeschöpft sei. Das war die Version, die sie ihm gesagt haben. Mir gegenüber haben sie ihn ganz unverblümt als "zu fett" bezeichnet. Unserm Vater war das alles scheißegal. Er saß immer zu Hause und hat ferngesehen. Immer. Teleshopping. Ich kann mich an keinen einzigen Moment mit ihm erinnern, wo er nicht auf seinem Hocker vor dem Fernseher saß. Fehlen durfte natürlich nie sein Urbräu in der grünen Maxiflasche. Ich weiß nicht, ob er jemals auf Klo gegangen ist, ich habe ihn niemals rumlaufen sehen. Er hat sich auch nicht bewegt, nicht gesprochen. Ich ha…

Karikatur eines Jungen

Ich laufe mit meiner Bierflasche in der Hand über das Feld und bleibe vor den weißen Ziegen, die hinter einem hübschen alten Holzzaun den trockenen Boden nach Essen absuchen, stehen. Das Bier schmeckt erwartungsgemäß hervorragend und ich rülpse die Ziegen an. Sie bekommen einen Schreck, gehen einige Meter zurück, kommen aber nach ein paar Minuten wieder angelaufen – sie merken, ich führe nichts Böses im Schilde. Während ich mein Bier gewissenhaft immer weiter leere und eine besonders große Ziege beim Kacken beobachte, erscheint plötzlich ein circa neunjähriger Junge neben mir. Er hat kurze, hellblonde Haare (hochgegelt natürlich), sonnengebräunte Haut und ein sommersprossiges Gesicht mit großen, blauen Augen. Auf seinem weißen T-Shirt steht in verwaschener Blockschrift „LÄUFT BEI MIR“ und um seinen Hals baumelt ein Brustbeutel der Firma Scout, ein Schülerausweis ist darin erkennbar. Des Weiteren trägt er eine kurze Hose und Turnschuhe von Nike. „Ich habe vorhin die Ziegen an ihren Hö…

In einem Leuchtturm, Teil XIII

Hallöchen, Leser/-in! Du fragst dich: "Ey, wo sind denn Teil I bis XII?" Schon mal was von der Suchfunktion gehört? Nein? Na gut, dann einfach hier (also wenn dieser Satz zu Ende ist, hinter dem Doppelpunkt) klicken: http://derkrem.blogspot.com/search?q=In+einem+Leuchtturm
WAS BISHER GESCHAH: Michael versah einst mit Bernd Dienst auf einem Leuchtturm, wurde dann aber von einer Welle in ein kunterbuntes Abenteuer gestürzt, in dem er auf räubernde Piraten und die CIA stieß. Bernd bekam mittlerweile einen neuen, etwas gewöhnungsbedürftigen Kollegen und ließ nach Michael suchen, aber ohne Erfolg. Dafür gelang es Michael selbst, zurückzukehren. Allerdings richtete er dabei einigen Schaden an, aber was zählt, ist daß er wieder da ist. Finde ich. Und warum wird die Geschichte jetzt noch künstlich am Leben erhalten, wo doch alle Handlungsstränge wieder zusammengeführt sind? Puh, frag mich was Leichteres ...
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Bernd, Michael und Luca saßen in der Fußgängerzone von Sankt Peter-O…

Trauer, neue Mitarbeitende

Liebe Lesende, werte LeserInnen und Leser,

seit dem viel zu frühen Tod unserer Redakteure Ulf Weutzig und Achim Remlinger hängen im nebelverhangenen Redaktionswald unzählige Flaggen auf Halbmast – die Trauerarbeit läuft auf Hochtouren.
Lassen Sie mich bitte Folgendes kurz erzählen: Manchmal, wenn die Blätter im Redaktionswald rauschen, die Baumkronen sich behäbig entgegenschwingen, kann man sie noch bzw. wieder hören, die Stimmen von Ulf und Achim. „Huhu, hallöchen, wir sind‘s“, flüstern sie dann – und manchmal, da wollen sie gar nicht mehr aufhören mit dem Reden, fangen sogar mit dem Singen an. In diesen Fällen legen wir eine Arbeitspause ein, konzentrieren kann sich bei diesem teils Stunden andauernden jenseitigen Gebrabbel keiner mehr. Wenn sie dann aber merken, die Geister von Ulf und Achim, dass niemand sie beachtet, dann werden sie ruhig, ganz ruhig, und weichen dem angenehmen Blätterrauschen. Als gleißende Lichtwesen, die sie ja jetzt sind, ziehen sie sich wieder zurück in ih…