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Ritt ins Blau – Mathias Bargeleit: Zum Scheitern verurteilte Tiere

Geneigter Leser, Sie haben es in der Hand – mich haben viele Zuschriften erreicht, ich solle das Sachbuch „Zum Scheitern verurteilte Tiere“ aus der Sicht eines selbst zum Scheitern Verurteilten bewerten. Damit kann ich nicht dienen, bewerte das Werk aber alternativ aus der Sicht einer als gescheit Beurteilten, wenn mir dieses Wortspiel erlaubt ist.










Das bereits genannte Buch „Zum Scheitern verurteilte Tiere“ des Tierpsychologen Mathias Bargeleit ist aus meiner Sicht eine Abrechnung mit der Tierwelt. Der frühverrentete Bargeleit, der in seinem Leben viele harte Brote schlucken mußte, („um mich in die Psyche der Enten hineinzudenken“1 – Zum Scheitern verurteilte Tiere, Vorwort), geht in seinem literarischen Erzeugnis nicht zimperlich um mit seinen einstigen Patienten. Minutiös führt er aus, wo die Schwächen von ihm besonders verhaßten Animalien liegen. Dabei spart er nicht mit beißendem Spott. Spott, der letztlich auf ihn zurückfällt, weil sich die meisten von ihm Beschriebenen nicht we…
Letzte Posts

Der renommierte Neurologe

Er verspürte seit Wochen ein schreckliches Pochen im Hinterkopf. Es fühlte sich an, als hätte er mit viel Schwung einen Spaten gegen den Schädel geschlagen bekommen. Das war aber nicht geschehen. Eines Morgens war er aufgewacht, da hatte es in seiner Stirn von innen gedrückt. Innerhalb einer Woche wanderte das unangenehme Gefühl an den Ohren vorbei und setzte sich im hintersten Bereich des Schädels fest. Hier blieb es. Hier begann es zu hämmern, Tag ein, Tag aus. Besonders, wenn Jörk in Lichtquellen blickte oder seinen Kopf nach vorne senkte.
Jörk machte sich Gedanken über die Ursache des Schmerzes. Er nahm frei erhältliche Medikamente, die tagsüber das Unwohlsein vertrieben. Zum Abend hin kam das Pochen wieder zurück und hinderte ihn am Schlafen. Mit der Zeit begann er auch mittags und abends Tabletten zu nehmen. Schließlich entschied er sich, seinen Hausarzt aufzusuchen. Er fuhr Dienstagmorgen mit seinem Fahrrad dorthin. Der Allgemeinmediziner konnte keine Ursache für den Schmerz f…

Hand in Hand: Der KREM bekennt „Farbe“

Am 30.11. war es so weit: Mehr als hundert Menschen* versammelten sich auf einem vielbefahrenen Abschnitt der Bundesautobahn 381 nahe Zerpentin (Uckermark). Sie waren Zuschauer einer etwas anderen Menschenkette, die im „Zickzack-Kurs“ über die Autobahn verlief. Etwa 600 Menschen waren dem Aufruf gefolgt, den der KREM zusammen mit zahlreichen zivilgesellschaftlichen Initiativen getätigt hatte. Die Teilnehmer waren zwar nicht so farbenprächtig gekleidet wie erhofft – es changierte zwischen grau, braun und schwarz –, aber immerhin nahmen einige Farbige an der Menschenkette teil.  Aus Sicht von Merthold Schöbes, Sprecher der „Aktion Menschenkette JETZT“ und Adolf Schönbiss, Vertreter des Bündnis „Wir sind dabei“,war die Aktion ein voller Erfolg: „Erklärtes Ziel war die Durchführung einer Menschenkette, um politisches Bewußtsein zur Schau zu stellen“, meinte Schöbes auf mehrfache Nachfrage. „Wir waren dabei“, ergänzte Schönbiss widerwillig. Einzig der „Verein aktionsfreudige Demokraten e.V…

Eier in Senfsoße

Stefan, Torsten und Ralph saßen im leeren Wohnzimmer der neuen Wohnung. Sie hatten den gesamten Tag damit zugebracht, Kartons und Möbel hoch zu schleppen. „Sag mal, Ralph, hast du schon was zu Essen in der Wohnung?“, fragte Torsten. „Naja“, antwortete Ralph, „Kartoffeln und Eier müssten da sein. Hast du Hunger?“ Torsten bejahte die Frage. Stefan schaltete sich in das trostlose Gespräch ein. „Hast du sonst noch was da, was man machen könnte?“ Ralph schaute sich um. „Nee, ich glaube nicht.“ Er ging in die Küche und kam mit einem Netz mehlig kochender Kartoffeln und einem Karton mit Eiern aus Käfighaltung zurück. „Das ist alles, da müssen wir wohl sehr kreativ sein, um was draus zu zaubern.“ Torsten sah enttäuscht aus. „Können wir nicht noch was einkaufen gehen?“ Stefan schüttelte seine dicken roten Backen wild von links nach rechts. „Hat alles schon zu. Und Essen bestellen find ich immer zu teuer.“ Die beiden anderen nickten und stimmten auch verbal zu. „Hmmm“, sagte Stefan, während er…

In einem Leuchtturm, Teil XI

WAS BISHER GESCHAH: Michael versah einst mit Bernd Dienst auf einem Leuchtturm, wurde dann aber von einer Welle in ein kunterbuntes Abenteuer gestürzt, in dem er auf räubernde Piraten und die CIA stieß. Bernd bekam mittlerweile einen neuen, etwas gewöhnungsbedürftigen Kollegen und ließ nach Michael suchen, aber bisher ohne Erfolg. Also ziemlicher Trash, aber liest sich ganz gut. Mal sehen, wie es heute weiter geht (ich weiß es schon ...)


Achtzehn Stunden hatten Henk und Michael gebastelt, achtzehn Stunden, in denen sie jedes Teil einmal falsch verbaut hatten, es wieder hatten lösen müssen und schließlich den eigentlichen Verwendungszweck begriffen hatten. Aber nun lag es vor ihnen: Ein zwölf Meter langes, vier Meter breites und 1,5 Meter hohes Schlauchboot. Sagte zumindest die Betriebsanleitung. Das Boot, das vor ihnen lag und das sie allein sechs Stunden lange hatten aufpumpen müssen (natürlich war die elektrische Pumpe von Henk kaputt), lag vor ihnen wie ein Schatten seiner Selbst. …

Im Portrait: Hans Weißenpfaff – Der letzte Vertreter eines sterbenden Handwerks

Wenn Hans Weißenpfaff gebückt in seinem Werkraum steht und arbeitet, möchte man ihn auf der Stelle wahlweise einfrieren, in einer Alkohollösung konservieren oder zumindest ein Foto von ihm machen. Hans ist 97 Jahre alt und kommt aus Unterfranken, um genau zu sein aus Brüttingen. Malerisch gelegen zwischen den Flüssen Rote Lösche und Mebrach wohnt Hans auf einem alten Hof, direkt am Weinhang. Hans ist von Beruf Schellensturzschleifer. Ein Beruf, den es nachweislich seit dem Jahr 1507 in Brüttingen gibt. Dem einzigen Ort, in dem dieser Beruf überhaupt existiert. Der Schellensturzschleifer ist ein Beruf aus einer lange zurückliegenden Zeit. Mit heiserer Stimme erklärt uns der hagere Mann, was der Schellensturzschleifer früher tat. Der „Schellestutzschleifää“, wie Hans seinen Beruf im Dialekt ausspricht, hat den Schellensturz hergestellt. Ein Werkzeug, das wiederum vom Schellenstürzer genutzt wurde, um die Schelle, eine 50 mal 50 cm große Holzplatte, herzustellen. Der Name Schellensturz …

Wilhelm Brannt (1926-2017)

„Immer der, der fragt“ – Mit diesen Worten wurde ich angewiesen, einen Nachruf auf Wilhelm Brannt zu verfassen. Es war am 21. September, da ich in der Kommentarsektion des KREMs danach fragte, wer für Wilhelm Brannt die posthume Ehrung schreiben möchte. Christoph Teusche, unser Chefredakteur, hat schließlich mich angewiesen, dies zu tun – „Immer der, der fragt“. Leider kenne ich Wilhelm Brannt nicht, ich habe ihn nur ein einziges Mal flüchtig gesehen. Es war im Sommer 2015, damals zog er sich ein Bifi an unserem Snack-Automaten. Ich grüßte ihn herzlich, er grüßte nicht zurück. Das ist alles, was uns verbindet.
Aufgrund dieses einen Treffens habe ich mein Urteil über ihn gebildet – ich mag ihn nicht. Deshalb tut es mir umso mehr leid, dass gerade ich den Nachruf schreiben soll. Wäre nicht Christoph der deutlich geeignetere Verfasser? Er hat mit Wilhelm Brannt insgesamt fünf Kur-Urlaube im Harz verbracht. Er könnte ihn wirklich würdigen, er kennt ihn. Ich habe über diesen wahrscheinlic…