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Der verflixte Stuhlkreis

Es wird ruhig im Saal, als Herr Kaub ans Mikrofon tritt.
Sehr geehrte Damen und Herren! Ich möchte Sie recht herzlich begrüßen zu unserer Informationsveranstaltung zum Laternenkonzept und freue mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind. Bis jetzt hat er abgelesen, jetzt löst er zögerlich den Blick von seinem offensichtlich nur mit Stichworten gespickten Zettel. Beleuchtung ist ein weites Feld – ob blaues oder gelbes Licht, also, das ist ja nicht wirklich blau, sondern … Er bekommt Farbe und starrt wieder auf den Zettel. … oder halt gelb, sondern es gibt – hat halt logischerweise verschiedene Farb … töne. Also … Herzlich willkommen. Können Sie etwas lauter sprechen? Äh … ja, natürlich. Soll ich jetzt … noch mal von vorne … Er sieht blöd ins Publikum. Also: HERZLICH WILLKOMMEN ZUR INFORMATIONSVERANSTALTUNG ZUM LATERNENKONZEPT. Entschuldigen Sie … JA? Ich bin gerade irgendwie unzufrieden mit der Sitzordnung hier im Saal. Das ist mir zu hierarchisch. Hätten Sie was dagegen, wenn wir die S…
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Autogramme

Es gab mal eine Frau, die zu einem Antiquitätenschätzer/-händler gegangen war. Der Schätzer fragte sie, was sie „im Gepäck“ habe, da holte sie aus ihrem riesigen Koffer ein Bild heraus. Sie schob das Schwarzweiß-Foto über den Tisch zum Schätzer, und was soll man sagen, er war begeistert. Es handelte sich um ein zweifelsfrei echtes Autogramm des ersten Weltstars überhaupt. Die Qualität war hervorragend. Der Schätzer war außer sich, da es nur eine Hand voll Autogramme dieses ersten Weltstars gab. Eins in Japan, eins in den USA etc., datiert 1895, ganz klar seine Unterschrift, Klasse! Was ist es denn wert? Der Schätzer machte ganz große Augen. In diesem Zustand, na bestimmt 50000 Dollars. Die Frau grinste. Sie hievte ihren Koffer auf den Tisch und öffnete ihn. So ca. 15000 hatte sie davon insgesamt. Alle in solchem Spitzenzustand. Wo Sie die alle her hat, wollte der Schätzer wissen. Von so einer Flughafengepäckauktion, wo man nicht weiß, was im Koffer ist. Na gut. Leider muss ich meine …

Der Herr des Rings

Es war einmal ein Land, das war nicht von dieser Welt. Es lag im Gestern, hinter dem Schleier oder, sagen wir, zwischen Donnerstag und Freitag. Die Wesen in diesem Land waren keine Menschen, aber doch menschenähnlich, jedoch mit einer körperlichen Abweichung, in etwa von der Art wie zwei Widderhörner auf der Stirn. In diesem Land lebte auch Theuro. Theuro hatte keine Widderhörner. Seine Eltern machten sich Sorgen um ihn. Nicht nur, daß er anders aussah als die anderen, er lebte auch in einer anderen Welt – im übertragenen Sinne diesmal. Theuro gab nichts auf die zahlreichen Konventionen, er konnte nichts und niemanden ernstnehmen. „Junge, dir wird großes Unheil widerfahren“, das waren die Worte der Mutter, wenn er mal wieder die ungeschriebenen Regeln des Zusammenlebens gebrochen hatte. „Mir schwant Übles“, pflichtete ihr dann der Vater bei. Eines Tages ging Theuro sein Einhorn ausführen, da traf er am Wegesrand eine Fee. Feen waren nichts Ungewöhnliches in dem Land, in dem Theuro le…

2019 – Ein gutes Jahr

Liebe Leserinnen und Leser,

Der KREM wünscht Ihnen ein frohes neues Jahr.

Vermutlich wundern Sie sich, warum wir so spät in das journalistische Jahr 2019 starten. Nun, dieses Wundern ist durchaus begründet. Andere Zeitschriften haben, sofern Monatsmagazine, Januar und Februar schon mit Januar- und Februarausgaben, wenn Wochenzeitschriften, dann sogar mit jeweils vier Erscheinungen pro Monat, also schon mit acht Ausgaben insgesamt, bedacht. Wir hingegen halten das sprichwörtlich „unbeschriebene Blatt“ in unseren glatten Händen. Aber was ist der Grund für dieses Verschlafen? Warum sollte eine regelmäßig erscheinende Zeitschrift so etwas machen? Gibt es keine wirtschaftlichen Zwänge? Warum erfasst die allgegenwärtige Not des heutigen Journalismus uns nicht?

Ende des Jahres haben sich die „Köpfe“ des KREMS, der Herausgeber, die ChefredakteurInnen sowie deren StellvertreterInnen, zusammengesetzt, und schonungslos bilanziert. Schnell wurde klar, dass dies aber nur mit einer übergroßen Men…

Ritt ins Blau | Merten Cramer: Wildes Holz

Mein Vorgänger Wilhelm Brannt – Gott habe ihn selig! – hat sich ja mit zunehmender „Lebenserfahrung“ sehr an den Biographien und persönlichen Eigenheiten der Verfasser ausgelassen, selbst wenn schon das Verfasste selbst Grund genug bot, es abzulehnen. Ich möchte mich folglich wieder etwas mehr dem Werk widmen und von der Person weggehen. Das heißt freilich nicht, dass der Lebens- und Schaffensgeschichte des Künstlers nicht auch ein paar Worte zugedacht werden (müssen).

Diesmal will ich den neu erschienenen autobiographischen Roman „Wildes Holz“ von Merten Kramer vorstellen, der bei Völlers & Dekow erschienen ist. Merten Kramer, eigentlich gelernter Buchhalter, kam erst spät zur Schriftstellerei, die er nach eigenem Bekunden „in der Schule des Lebens“ gelernt hat. Dennoch fand sein Debütroman „Zahlen“ im Jahr 2007 viel Beachtung in den Feuilletons. Zwar geht er etwas zu ausführlich auf den von der im Mittelpunkt der Handlung stehenden Firma „DataBasic“ vorgestellten Rechenschaftsb…

Es ist Hanjo

Ein rothaariger Mann gigantischen Bauches, Freunde rufen ihn Hanjo, betritt, oder besser, stampft, in ein Geschäft für Schreibwaren. „Guten Tag“, sagt der freundliche Vielfraß, „führen Sie auch Büttenpapier? Ich möchte gerne“, fährt der gutgelaunte Gewichtsmensch fort, „eben solches erwerben.“ „Nein“, entgegnet die kundige Verkäuferin, „den letzten Satz Büttenpapier hat dieser Herr dort“, sie weist mit dem an ihrer rechten Hand befindlichen Zeigefinger auf einen den Laden verlassenen Rentner, „eben mitgenommen. Wenn Sie“, fährt die bemühte Verkaufsdame fort, „sich aber beeilen, könnten Sie ihn vielleicht darum bitten, Ihnen das Papier zu überlassen. Regeln müssten Sie das natürlich untereinander.“ Der wuchtige Koloss nickt mit seinem zentnerschweren Kopf, dreht sich zur Tür, und stapft langsam darauf zu. Das Ladengeschäft erzittert unter seinen dumpfen Schritten. Der emsige Rentner, dessen später Lebenssinn darin zu bestehen scheint, alle Beige-Töne dieser Welt einmal am Körper getrag…

Wie geht Qualitätsjournalismus? #7: Recht

Meine Damen und Herren,
mein Name ist Hajo B ü t t e n s c h e e ß. Als aufmerksamer Leser habe Sie mich sicher schon kennengelernt. Meine große Zeit hatte ich während des wohlverdienten Zwangsurlaubs der gesamten Redaktion.
Als der KREM gegründet wurde, stellten sich Ihnen alle Redaktionen vor. Die Rechtsabteilung ist, wie der Name schon sagt, keine Redaktion, deshalb erfolgte auch keine Vorstellung. Nach dem Willen des Verfassers hätte es auch durchaus dabei bleiben können. Wie Sie vielleicht wissen, bin ich freier Mitarbeiter des KREM, nachdem der Justiziar der Redaktion, Herr Vöhlmann, an einem Leberwurstbrötchen beinahe erstickt wäre und anschließend auf eigenen Wunsch in ein künstliches Koma versetzt wurde, „um mal richtig abzuschalten“.
Das Wort „Recht“ kommt von lat. „rectum“ und bedeutet „Gesäß“. In der Antike war der Gedanke verbreitet, daß der, der zuerst saß, recht hatte. Und so ist es heute noch so, daß, wer etwas be-„sitzt“, auch (gefühlt) mehr Rechte hat als Besitzlos…