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Güşbeşet’s Dream. Kapitel 4: Besuch aus China

Tja ja, morgen kommt Besuch aus China. Der Großcousin oder so von meiner Mama. Oder ist es der Schwippcousin? Ich habe keine Ahnung. Ich habe das nie verstanden mit diesem „Schwipp“. Auf jeden Fall heißt der Mann Dao Li. Sehr chinesisch, wie ich finde. Herr Dao Li, einmal die Nummer 48 bitte, genau „Ente kloss mit viel schalf“, so in etwa. LOL. Nee Spaß, dieses L-R-Ding bei den Chinesen stimmt gar nicht, die können ganz normal reden. Also ganz normal nicht, aber auch nicht total bescheuert. Auf jeden Fall, Dao Li kommt ungefähr dreimal im Jahr zu uns in die Wüste, das ist aber klimatisch gar kein Problem für den, weil der wohnt selbst in der Wüste. Der kommt aus Loulan, das ist in Xinjiang. Xinjiang ist ganz im Westen von China, wo die Taklamakan-Wüste liegt. Außerdem ist Loulan, bei Wikipedia nachlesbar, eine „Ausgrabungsstätte“, also im eigentlichen Sinne gar keine Stadt. Das stimmt, mein Schwipp-Groß-Wasauchimmer-Cousin hat sich da, im Schatten der Archäologen, in einer kleinen se…
Letzte Posts

Tier-Soap-Opera

Sandro, der Eichelhäher, war entsetzt: Seine Frau hatte ihn betrogen mit Sandro, einem anderen Eichelhäher! Leider hießen sie alle Sandro, denn Namen dienen Eichelhähern nicht zur Unter­scheidung, sondern als schlichte Anredemöglichkeit. Er hatte sie auf frischer Tat ertappt. Kaum am Astloch angekommen, machte er auf dem Absatz kehrt und flog, noch halb im Schock, auf den nächstgelegenen Ast. Seine Frau Nicole (auch hier das gleiche Spiel mit den Namen) kam ihm hinterhergeflogen. „Sandro … Du mußt es verstehen … Er hat einfach ein prächtigeres Gefieder …“ Sandro drehte sich demonstrativ weg. „Nicole hatte recht. Ich hätte gleich einen Bogen um dich machen sollen.“ Auf Nicoles Miene zeigte sich Enttäuschung und ein bißchen Wut. „Mann, Sandro, versteh mich doch. Mensch, ich brauche doch gesunden Nachwuchs!“ - „Ja, geh doch zu deinem tollen Sandro, mit mir Krüppel brauchst du dich nicht abgeben.“ Er machte sich flugbereit. Heiser krächzte sie: „Ich lieb' dich immer noch.“ Er hielt i…

Rund sein

Patrik saß auf seiner unendlich hässlichen Couch und starrte seine hellbraune Wand an. Ob heute noch was passieren würde, fragte er sich – vermutlich nicht, dachte er. Er legte sich hin und schloss seine Augen. Nach zehn Minuten tat er sie wieder auf und schaute zu der uns inzwischen bekannten hellbraunen Wand. Er langweilte sich ja so, soooooo sehr langweilte er sich. Er schloss die Augen erneut und schlief nach einiger Zeit ein. Er schnarchte und seine Zunge hing über seine ausgefransten Lippen aus dem Maul heraus. Enorme Mengen Speichel verlor Patrik aufgrund dieser Anordnung an die Umwelt. Er riss nach diesem leichten Schlaf die Augen auf und zog die Zunge in den Mund, er kurbelte sie hinein. Kurz darauf erinnerte sich an etwas. Neulich hatte er herausgefunden, dass sein Körper zu Erstaunlichem im Stande ist. Wenn Patrik mit seiner Hand eine beliebige Stelle seines Körpers eindrückt, bleibt die Stelle auch nach Ende der Druckausübung eingedrückt. Daneben kann er seine Körperteile…

Im Portrait: Aodhán Lógoúin – Ein Leben für den Whisky

Mann beim Psychologen

Werff Betón schob sich durch den länglichen Gang zum Wartezimmer. So hatte er sich eine psychologische Praxis nicht vorgestellt. Es sah irgendwie ärmlich aus, wie bei einem besseren Hausarzt. Daß es überhaupt ein Wartezimmer gab. Aber er war der einzige Insasse. Kaum hatte er sich gesetzt und angefangen, einen Bildband mit Brücken-Fotos durchzublättern, als eine Anfang-30jährige ins Zimmer kam, ihm kurz zunickte und ebenfalls Platz nahm. In dem Bildband ging es vorrangig um Autobahnbrücken aus Osteuropa. Diese waren kategorisiert nach Typ und Entstehungszeit. Ohne Interesse sah Werff den Band durch. „Haben Sie auch einen Termin hier?“, fragte ihn die andere Wartende. Verdutzt sah er auf. „Ja“, erwiderte er kurz angebunden und tat so, als habe er ein interessantes ingenieurtechnisches Detail entdeckt. „Ich komme oft hierher, quasi jeden Tag, wissen Sie? Deshalb muss ich oft warten, aber zum Glück haben sie hier ein Wartezimmer.“ Sie lächelte ihn an. „Aha“, entgegnete er. „Sie sind …

In einem Leuchtturm, Teil XII

Worum geht es hier? siehe die kurze Zusammenfassung


„'Meine Jugendliebe', wie albern“, sagte Bernd. „'Meine Jugendliebe', das sagen nur welche in schlechten Filmen oder Groschenromanen. Eigentlich nur in Groschenromanen.“ „'tschuldigung, ich stand partiell unter Schock, als ich es sagte. Du hast recht, es klingt bescheuert.“ „Du bist also auch ...“ Bernd brachte den Satz nicht zu Ende. „...?“, fragte Luca, merkte, daß der Satz keine Worte enthielt, und begann erneut: „Kannst du das Wort nicht mal aussprechen?“ „Mann, Luca, ich habe nichts gegen … Es ist ist nur so, ich komme aus einfachsten Verhältnissen und ...“ „Oh, bitte, das ist aber auch verdammt klischeehaft. „aus einfachsten Verhältnissen“, das sagt auch keiner.“ „Doch, das wird immer über SPD-Politiker und über manche Neureiche gesagt.“ „Aber das sagt keiner über sich selbst.“ „Na, wie dem auch sei, ich komme aus Butjadingen, und da gab es keine ...“ „Keine was?“, fragte Luca. „Schwulen!“
Michael hatte in…

Das Der KREMagazin – Jubiläums-Ausgabe: Der KREM wird fünf!

Liebe Leser_*Innen und Leser,  auf den Tag genau vor fünf Jahren wurde der erste KREM-Artikel veröffentlicht! Fünf Jahre, das sind 60 Monate! 1826 Tage!
Sie halten heute eine Spezialausgabe des Das Der KREMagazin in den Händen*, das einen weiten Blick vor und zurück wirft und dabei auch die Gegenwart sprichwörtlich nicht aus den Augen verliert. Was haben wir nicht alles erlebt in den letzten fünf Jahren: Die Konsolidierungsphase, in der wir unser Wald-Büro bezogen und uns fragten, warum wir uns das antun (Gründe), dann die „große Reise“/Verbannung, die sich über mehrere Jahre hinzog, in der fast kein Text produziert wurde und in der Wilhelm Brannt seinen „Tod“ fand. Schließlich die Konsolidierungsphase II, in der wir uns wieder mal konsolidierten (Waldbüro, Frage nach dem Sinn etc.). In dieser Zeit sind 143 Texte entstanden – alle zwei Wochen einer, wenig für ein hochwertiges, tagesaktuelles Magazin, aber viel für uns. Beeindruckend auch die Zahl der Kommentare unserer liebgewordenen …