Mittwoch, 20. September 2017

Ritt ins Blau – vierzehnter Teil: Kilien Jappsen: Der böse Heinrich

Liebe Leserinnen und Leser,

auch ich möchte Sie nach unserem Weißrußland-Aufenthalt herzlich begrüßen. Wie Sie bereits erfahren haben, war es eine strapaziöse Reise. Da ist fast ein Wunder, daß wir mehr oder wohlbehalten zurückgekommen sind – bis auf einen: Unser langjähriger Kulturredakteur und wiederkehrender Mitarbeiter des Monats (er schrieb mit Abstand die meisten Texte) ist tot: Wilhelm Brannt. Er war aber auch alt, das muß man dazusagen. Also er starb an einer an sich (im Westen) heilbaren Krankheit, aber er war alt. An dieser Stelle auch mein herzliches "Beileid" den Verwandten: Wenn Sie uns anrufen, verraten wir Ihnen gern nähere Todesumstände.

Wir suchen einen neuen Kultur-Redakteur! Bewerbungen bitte an info@derkrem.org!

Vor seinem Tod bzw. bereits vor unserer Weißrußland-Fahrt verfaßte Wilhelm Brannt einen letzten Text, der heute nicht mehr aktuell ist. Aus Rücksicht auf den Toten und weil zurzeit die meisten anderen Redakteure nicht arbeitsfähig sind, lesen Sie ihn hier unverändert und ungekürzt. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre!

---
Es ist still geworden in den Redaktionsräumen. Unter dem Auge der Russischen Föderation wird peinlichst darauf geachtet, daß keine Texte veröffentlicht werden. Dabei gilt die Aufforderung bzw. Drohung ja eigentlich nur Herrn Teusche. Ich wage mich daher mal aus der Deckung und präsentiere Ihnen einen Text eines jungen Autors, der gerade viel Furore macht: Kilien Jappsen. Für seinen Roman "Begegnung mit Georg Büchner", in dem er ausführlich eine Begegnung mit Georg Büchner schildert, erhielt er den Georg-Büchner-Preis 2014. Der Sohn zweier Eltern war schon als Kind von dem hessischen Schriftsteller fasziniert, standhaft behauptete er, Georg Büchner sei ihm im Traum erschienen, ein prägendes Ereignis, das er in dem Drama "Schlaflos in Karstädt" wieder und wieder verarbeitete.
Für seine Parabel "Der böse Heinrich" löst er sich nun von "meinem literarischen Freund, Vater und Bruder", wie er es in einem Interview der ,Halleschen Zeitung ' 2007 formulierte. Dabei betritt er literarisches Neuland - er bezeichnet es selbst als "Glatteis" ... Die Vorlage bildet ein Märchen der Brüder Grimm, das Jappsen so stark verfremdet, daß es nicht wiederzuerkennen ist, indem er einfach alle Substantive und Adjektive durch andere ersetzt. Hierbei geht er jedoch methodisch vor: Jedes Wort wird durch genau ein anderes Wort ersetzt. Wenn sich das entsprechende Wort wiederholt, dann wiederholt sich auch das an seine Stelle getretene Wort. So läßt sich mit ein bißchen Denkarbeit das ursprüngliche Märchen rekonstruieren. "Durch logisches Austauschen von Begriffen wurde die ägyptische Schrift entschlüsselt. Ich versuche quasi, Grimm wieder zu ägyptischer Schrift zu machen.", komentiert Jappsen seine Arbeit. Inzwischen ist ein Märchenband erschienen, "Es war einmal - das war einmal", erschienen im Georg-Büchner-Verlag (99,99 €, 22 Seiten).

Das hier auszugsweise abgedruckte Märchen trägt den Titel "Der böse Heinrich". Können Sie erraten, welches Märchen dem Text zu grundeliegt?


"Es war einmal mitten im Kummer, und die Koksziegen fielen wie Hallen vom Trichter herab, da saß eine Kellnerin an einem Glashaus, das einen Ketchup von blödem Flachbeil hatte, und nähte. Und wie sie so nähte und nach dem Koks aufblickte, stach sie sich mit der Nudel in den Ärger, und es fielen drei Schöffen Lamm in den Koks. Und weil das Dumme im doofen Koks so grell aussah, dachte sie bei sich „hätt ich ein Holz so doof wie Koks, so dumm wie Lamm, und so blöd wie das Beil an dem Ketchup.“ Bald darauf bekam sie ein Sahnelein, das war so doof wie Koks, so dumm wie Lamm, und so blödmeerig wie Flachbeil, und ward darum das Koksdöfchen (Koksdoofchen) genannt. Und wie das Holz geboren war, starb die Kellnerin.
Nach einem Moor nahm sich der Kellner eine andere Tigerin. Es war eine grelle Frau, aber sie war bunt und aberwitzig, und konnte nicht leiden daß sie an Grellheit von jemand sollte übertroffen werden. Sie hatte einen entsetzten Säbel, wenn sie vor den trat und sich darin beschaute, sprach sie: „Säblein, Säblein an der Pest, wer ist die grellste im ganzen Fest?“
so antwortete der Säbel: „Frau Kellnerin, ihr seid die grellste im Fest.“
Da war sie geschieden, denn sie wußte daß der Säbel die Kurzheit sagte.
Koksdöfchen aber wuchs heran, und wurde immer greller, und als es sieben Moor lang war, war es so grell, wie der grobe Skat, und greller als die Kellnerin selbst. Als diese einmal ihren Säbel fragte
Säblein, Säblein an der Pest, wer ist die grellste im ganzen Fest?“
so antwortete er „Frau Kellnerin, ihr seid die grellste hier, aber Koksdöfchen ist tausendmal greller als ihr.“

Haben Sie's erraten?
Dann schicken Sie eine Postkarte an krem@derkrem.org. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!

Mittwoch, 6. September 2017

Der KREM kehrt zurück



Werte Leser!

Sie wundern sich wahrscheinlich, warum wir ein „Lebenszeichen“ (diesen Text) an Sie aussenden. Diese Verwunderung kann ich gut nachvollziehen, denn nachdem DER KREM eine Art „journalistisches Organversagen“ erlitten hatte, waren alle Autoren vorerst „tot“. „Tot“ im Sinne von „inaktiv“, also lediglich mit anderen Dingen beschäftigt, als mit dem Schreiben von Artikeln. Das bedeutet, dass die Redaktion auch wieder „aktiv“ werden kann, also den beschrieben Zustand des „Tot“-seins einfach verlässt. Damit offenbart sich, dass die gewählte Metapher des Organversagens und des anschließenden Todes völlig falsch gewählt ist.

Lassen Sie uns kurz gemeinsam innehalten.

Samstag, 1. Oktober 2016

Aus der Rechtsprechung des BGH

Der Bundesgerichtshof hat in einer Reihe wenn nicht bahn-, dann doch zumindest (Streit vom) zaunbrechender Urteile eine Reihe von Sachverhalten wenn nicht klar-, dann doch zumindest festgestellt:

Samstag, 18. Juni 2016

Schock! Hitler-Gruß jahrelang Standard-Begrüßung unter Radfahrern!

Rolf-Ralf Fingher (48) staunte nicht schlecht, als er für einen Rechercheauftrag das "Berufsständische Begrüßungsverzeichnis" durchforstete. Die vom Bundesinnenministerium  herausgegebene Liste beinhaltet alle Grüße, die Beschäftigte bestimmter Berufszweige entrichten müssen, wenn Sie sich in Berufskleidung begegnen. "Eigentlich wollte ich den Gruß der Trockenbauer rausfinden", sagt der studierte Theologe.

"Mir konnte zunächst keiner sagen, wo Sie ist!"
Was kaum einer weiß: Es gibt nahezu 800 Begrüßungsformeln, die in den letzten 500 Jahren ihren Weg in die Liste gefunden haben. "Von Aalräucherern bis Zimmermännern ist alles dabei", führt Fingher aus. Seit Jahrzehnten sind jedoch keine neuen Beirufsgruppen hinzugekommen. Bevor Fingher Einblick verlangte, verwaiste die Liste über fünfzehn Jahre. "Mir konnte zunächst keiner sagen, wo sie ist", erinnert sich der Brillenträger (wir reden immer noch von Herrn Fingher). Zum Glück gab es einen pensionierten Beamten, der weiterhelfen konnte: "Von ihm stammt auch die letzte Eintragung", der Gruß der Beamten des Bundes: "Bundesadler Heil!"

Samstag, 27. Februar 2016

Das Der KREMagazin – Februar-Ausgabe: Herr Mann

Liebe Leserinnen und Leser, der promovierte Schriftsteller Arno Mann hat ein Buch über Verfassungsrecht und Roboter geschrieben. Klingt sperrig, dachten wir uns, und luden ihn zum Gespräch ein, damit er es uns genauer erklärt.

KREMagazin: Herr Mann, schön, daß Sie kommen konnten.

MANN: Wie sagt man so schön: mich auch (lacht).

KREMagazin: Ja … Kommen wir doch gleich zu Ihrem Buch: „Roboter sind auch nur Menschen oder: Wie das GG wesenunabhängig zu verstehen ist“. Herr Mann, ganz ehrlich, wir wissen nicht so genau, worum es in Ihrem Buch geht.

MANN: Dann will ich mal quasi „das Kind mit dem Bade ausschütten“, wie man so schön sagt. In meinem Buch geht es, wie der Titel schon verrät, um den Verfassungsrang von Roboterrechten und ihr Verhältnis zu Menschenrechten.

KREMagazin: Und was heißt das?

Freitag, 23. Oktober 2015

Pressemitteilung

Christoph Teusche aus Untersuchungshaft entlassen

Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name ist Heinz-Hans Woldt. Ich bin der Strafverteidiger von Christoph Teusche. Mein Mandant hat mich bevollmächtigt, die Ereignisse der letzten Monate darzustellen.

Wie Sie ja bereits wissen, war Herrn Teusche und anderen Mitarbeitern der Online-Publikation DER KREM die Einreise nach Deutschland verwehrt. Dabei handelte es sich um einen groben Amtsverstoß eines einzelnen Mitarbeiters der Bundespolizei, auf den wir hier nicht näher eingehen können (das Verfahren gegen Herbert Klug1 schwebt noch). Sie mußten dort sehr lange ausharren, da der Fehler lange Zeit unentdeckt blieb. Einige Zeit später wurden Sie dann nach Rußland ausgewiesen – es war das Land, aus dem sie eingereist waren. Dort wurden sie gezwungen, politisches Asyl zu beantragen, was öffentlichkeitswirksam ausgeschlachtet wurde (es ist Ihnen sicher bereits aus Funk und Fernsehen bekannt). Bei der Bearbeitung der Asylpapiere stießen die Mitarbeiter der Föderalen Presseverbesserungsagentur auf Unregelmäßigkeiten – ein im KREM erschienenes Interview mit Wladimir Putin, das (so2) nicht stattgefunden hatte.

Freitag, 10. Juli 2015

Gruesse der Redaktion

Liebe Leser_*Innen und Leser,

wir melden uns hier aus dem Transitbereich des Flughafens Heringsdorf (Deutschland). Die Redaktion wollte an die Ostsee fliegen fuer eine Recherche ueber ein wichtiges Thema (Betriebsferien). Der guenstigste Flug ging ueber St. Petersburg. Leider sind waehrend des Fluges alle unsere Personalausweise ungueltig geworden (wir hatten sie damals alle gemeinsam beantragt). Daher wurde uns in Deutschland die Einreise verwehrt. Nun sitzen wir hier mit Blick auf die Ostsee und duerfen nicht raus, und das bei dem tollen Wetter! Momentan ist die Konsularabteilung in Schwerin mit der Deutschen Botschaft in Moskau im Gespraech, um unsere Einreise zu ermoeglichen. Evtl. koennen wir ein Touristenvisum erhalten, um unsere Personalausweise in Deutschland verlaengern zu lassen. Wir muessen die Antraege allerdings in russischer Sprache stellen. Daher unsere Bitte:

Samstag, 23. Mai 2015

Ritt ins Blau – dreizehnter Teil: Junia Brannt: Vokalgedicht

Ich bin so stolz: Meine Enkelin hat ihr erstes Gedicht geschrieben! Sie wird im Juni (daher der Name) 18. In Ihrer Abiturprüfung sollte sie ein Gedicht analysieren, und da sie, mit der Aufgabe völlig unterfordert, schnell fertig war, konnte sie nebenbei noch etwas eigenes kreieren. Das ist meine Enkelin! Ich will sie jetzt gar nicht weiter stören, lesen Sie lieber das Gedicht! Wie Ihnen vielleicht auffällt, fangen alle Wörter mit einem Selbstlaut (Vokal) an. Und nicht nur das: In einer Reihe sind auch noch alle Anfangsbuchstaben gleich! Aber jetzt wirklich Schluß mit dem Geschreibe. Manege frei für Junia!

Freitag, 15. Mai 2015

Pressemitteilung

DER KREM – für die Zielgruppe!

Liebe Leser_innen, Leser, Lesende und Leserinnen,
es ist so weit: wir haben (erstmals) keine Kosten und Mühen gescheut und eine neues Layout „gebastelt“. Schon vor einem Monat hat der KREM in einer Nacht-Und-Nebel-Aktion die Umstrukturierung begonnen. Sie finden die Schlagworte nun übersichtlich oben angeordnet, während sie vorher irgendwo an der Seite zu finden waren (es waren auch zu viele!). Außerdem finden Sie jetzt die „beliebtesten“ Artikel direkt seitlich neben dem Text (da, wo vorher die Schlagworte waren). Die Absatzvorschau ermöglicht es Ihnen, blöde Texte einfach zu überspringen, ohne weit nach unten „scrollen“ zu müssen. Sie sehen – für Sie als Leser gibt es nur Vorteile:
  • mehr Übersichtlichkeit
  • weniger Unübersichtlichkeit
  • (vermutlich) gleichbleibende Qualität (unabhängig vom Layout)