Freitag, 31. Januar 2014

Ein unbekanntes Tier (3/5)

Am nächsten Morgen nahm Tibor zum ersten Mal am Appell teil. Es galt, möglichst gerade an einer Linie anzutreten und strammzustehen. Ferd, der Anführer der Rebellenarmee, schritt die Reihe ab und fletschte zufrieden die Zähne. Vor Tibor blieb es stehen. „Du da – raustreten!“ Tibor sah sich um, ob auch wirklich er gemeint war. Sein rechter Nachbar sah bewußt beiläufig zum Boden, während der linke beschäftigt war, seinen linken Nebenmann zu lausen. Also war wohl er gemeint. Er trat hervor.
„Name?“
„Tibor.“
„Wie heißt das?“
Tibor entsann sich der morgendlichen Appelle, die er dutzendmal verfolgt hatte. „Tibor, Herr Major!“
Ferd sah zufrieden aus.
„Sie haben schon mal gedient?“
„Wie meinen?“
„Waren Sie schon mal beim Militär?“
„Militär?“
„Herr Gott noch mal, haben Sie schon mal mit Waffengewalt Konflikte ausgetragen?“
„Ich glaube nicht, Herr Major!“
„So so ...“ Ferd lief bedächtig vor ihm im Kreis. Er kratzte sich ausgiebig am Rücken, dann hatte er eine Idee.

Freitag, 17. Januar 2014

Ein unbekanntes Tier (2/5)

„Ich heiße Tob.“, sagte das Schimpansenjunge. „Wie heißt du?“ „Einfach Tob? Das ist ja ein lustiger Name.“ „Manno, ich kann doch nichts dafür. Meine Eltern haben den Namen ausgesucht.“ „Ist ja gut, tut mir leid. Ich habe so einen Namen halt noch nie gehört. Was mich angeht … Ich weiß nicht, ob ich überhaupt einen Namen habe.“ „Du siehst anders aus als wir!“ „Ja, das habe ich auch schon gemerkt. Ich bin wohl ein anderes Tier. Ich weiß aber nicht, was für eins. Ich bin ein unbekanntes Tier.“ „Ein unbekanntes Tier?“ „Ja.“ „Wollen wir jetzt fangen spielen?“ „Ich weiß nicht. Ja, warum eigentlich nicht? Dann lauf mal los!“ Aber als Tob loslief, kam er nicht ansatzweise hinterher. Darum hatte Tob auch bald keine Lust mehr und nervte lieber seine Eltern. Er hatte noch nie probiert, schnell zu laufen. Offenbar war er nicht rennfähig. Flugfähig war er auch nicht, was blieb ihm dann? Plötzlich stand Zibor vor ihm.

Samstag, 11. Januar 2014

Mit dem Sitzen ist's nicht mehr

„...und darum werden Sie, Alexander Abraham Glownik, im Namen des Volkes, zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt, jedoch zur Bewährung ausgesetzt.“ Die 32-Jährige Richterin schlug mit ihrem kleinen Holzhammer auf ein dafür vorgesehenes Plättchen, begründete ihr Urteil kurz und beendete die Sitzung.
Alex verließ das Gericht als freier aber verurteilter Mann. Die Gedanken schwirrten durch seinen Kopf, als er zum U-Bahnhof lief. Auf einmal fasste etwas auf seine Schulter: „Alex? Bist du das? Na sicher bist du's? Wie geht's? Mega lange nicht gesehen!“ Was ihm auf die Schulter klopfte, war sein ehemaliger Klassenkamerad Ferdinand „Bolle“ Wittkämper, ein hagerer, aber durchaus massiver Mensch. Alex beachtete den alten Bekannten nicht und ging die Treppe des U-Bahnhofs hinunter. Er war verabredet, er dürfe nicht zu spät kommen, dachte er sich.

Samstag, 4. Januar 2014

In einem Leuchtturm, Teil VI

Bei Bernd war inzwischen alles wie gehabt. Eine Vertretung ersetzte Michael. Bernd hatte diesen Abend Dienst. Gelangweilt sah er auf das Meer. In Wirklichkeit war er natürlich besorgt um seinen Kollegen. Die Rettungsflotte war vor drei Tagen losgefahren und noch immer nicht zurückgekehrt. Aber äußerlich ließ er es sich nicht anmerken. Er hatte eine Strategie entwickelt, nach außen lässig zu wirken und die wirklichen Probleme zu verdrängen. Leider verfiel er nach einiger Zeit automatisch in Langeweile, aber das war nur eine Nebenwirkung der wirklich gut funktionierenden Strategie. Das heißt, er war nicht wirklich gelangweilt, sondern seine Langeweile war nur ein Schutzschild. Er dachte an sein früheres Leben als Schrankenwärter zurück. Damals hatte er noch in einer Stadt gewohnt und soziale Kontakte gehabt. Jetzt traf er sich nur manchmal mit den Trinkern vom Festland zum Skatkloppen. Er war es ja gewohnt, allein zu sein, aber gelegentlich, so ein- bis zweimal im Jahr, wünschte er sich, in der Stadt zu sein und was zu erleben. Dann buk er sich eine Pizza und stellte sich beim Essen vor, sie sei von einem Bringdienst.

Mittwoch, 1. Januar 2014

Frohes Neues Jahr!

Liebe Leser_Innen!

Wir wünschen Ihnen ein KREMiges Jahr 2014!

Redaktion DER KREM

Christoph Teusche
Chefred.