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Posts

Es werden Posts vom 2018 angezeigt.

Rund sein

Patrik saß auf seiner unendlich hässlichen Couch und starrte seine hellbraune Wand an. Ob heute noch was passieren würde, fragte er sich – vermutlich nicht, dachte er. Er legte sich hin und schloss seine Augen. Nach zehn Minuten tat er sie wieder auf und schaute zu der uns inzwischen bekannten hellbraunen Wand. Er langweilte sich ja so, soooooo sehr langweilte er sich. Er schloss die Augen erneut und schlief nach einiger Zeit ein. Er schnarchte und seine Zunge hing über seine ausgefransten Lippen aus dem Maul heraus. Enorme Mengen Speichel verlor Patrik aufgrund dieser Anordnung an die Umwelt. Er riss nach diesem leichten Schlaf die Augen auf und zog die Zunge in den Mund, er kurbelte sie hinein. Kurz darauf erinnerte sich an etwas. Neulich hatte er herausgefunden, dass sein Körper zu Erstaunlichem im Stande ist. Wenn Patrik mit seiner Hand eine beliebige Stelle seines Körpers eindrückt, bleibt die Stelle auch nach Ende der Druckausübung eingedrückt. Daneben kann er seine Körperteile…

Im Portrait: Aodhán Lógoúin – Ein Leben für den Whisky

Mann beim Psychologen

Werff Betón schob sich durch den länglichen Gang zum Wartezimmer. So hatte er sich eine psychologische Praxis nicht vorgestellt. Es sah irgendwie ärmlich aus, wie bei einem besseren Hausarzt. Daß es überhaupt ein Wartezimmer gab. Aber er war der einzige Insasse. Kaum hatte er sich gesetzt und angefangen, einen Bildband mit Brücken-Fotos durchzublättern, als eine Anfang-30jährige ins Zimmer kam, ihm kurz zunickte und ebenfalls Platz nahm. In dem Bildband ging es vorrangig um Autobahnbrücken aus Osteuropa. Diese waren kategorisiert nach Typ und Entstehungszeit. Ohne Interesse sah Werff den Band durch. „Haben Sie auch einen Termin hier?“, fragte ihn die andere Wartende. Verdutzt sah er auf. „Ja“, erwiderte er kurz angebunden und tat so, als habe er ein interessantes ingenieurtechnisches Detail entdeckt. „Ich komme oft hierher, quasi jeden Tag, wissen Sie? Deshalb muss ich oft warten, aber zum Glück haben sie hier ein Wartezimmer.“ Sie lächelte ihn an. „Aha“, entgegnete er. „Sie sind …

In einem Leuchtturm, Teil XII

Worum geht es hier? siehe die kurze Zusammenfassung


„'Meine Jugendliebe', wie albern“, sagte Bernd. „'Meine Jugendliebe', das sagen nur welche in schlechten Filmen oder Groschenromanen. Eigentlich nur in Groschenromanen.“ „'tschuldigung, ich stand partiell unter Schock, als ich es sagte. Du hast recht, es klingt bescheuert.“ „Du bist also auch ...“ Bernd brachte den Satz nicht zu Ende. „...?“, fragte Luca, merkte, daß der Satz keine Worte enthielt, und begann erneut: „Kannst du das Wort nicht mal aussprechen?“ „Mann, Luca, ich habe nichts gegen … Es ist ist nur so, ich komme aus einfachsten Verhältnissen und ...“ „Oh, bitte, das ist aber auch verdammt klischeehaft. „aus einfachsten Verhältnissen“, das sagt auch keiner.“ „Doch, das wird immer über SPD-Politiker und über manche Neureiche gesagt.“ „Aber das sagt keiner über sich selbst.“ „Na, wie dem auch sei, ich komme aus Butjadingen, und da gab es keine ...“ „Keine was?“, fragte Luca. „Schwulen!“
Michael hatte in…

Das Der KREMagazin – Jubiläums-Ausgabe: Der KREM wird fünf!

Liebe Leser_*Innen und Leser,  auf den Tag genau vor fünf Jahren wurde der erste KREM-Artikel veröffentlicht! Fünf Jahre, das sind 60 Monate! 1826 Tage!
Sie halten heute eine Spezialausgabe des Das Der KREMagazin in den Händen*, das einen weiten Blick vor und zurück wirft und dabei auch die Gegenwart sprichwörtlich nicht aus den Augen verliert. Was haben wir nicht alles erlebt in den letzten fünf Jahren: Die Konsolidierungsphase, in der wir unser Wald-Büro bezogen und uns fragten, warum wir uns das antun (Gründe), dann die „große Reise“/Verbannung, die sich über mehrere Jahre hinzog, in der fast kein Text produziert wurde und in der Wilhelm Brannt seinen „Tod“ fand. Schließlich die Konsolidierungsphase II, in der wir uns wieder mal konsolidierten (Waldbüro, Frage nach dem Sinn etc.). In dieser Zeit sind 143 Texte entstanden – alle zwei Wochen einer, wenig für ein hochwertiges, tagesaktuelles Magazin, aber viel für uns. Beeindruckend auch die Zahl der Kommentare unserer liebgewordenen …

Güşbeşet’s Dream. Kapitel 2: Sandige Klischees

Irgendwie ist heute nichts los hier. Deswegen schreibe ich auch den Text gerade. Meine Mama ist seit vorhin mit unserem Teppich zur Reinigung unterwegs. Wir haben ganz oft das Problem, dass wir richtig viel, also mega viel Sand im Teppich haben. Das ist so, weil der Teppich immer draußen auf dem Boden liegt und da ist halt ganz viel … genau: Sand. Da nützt auch stundenlanges Ausklopfen nichts. Der ist dann richtig tief in den Knoten drin, da kann man nichts machen. Also als Normalo nicht, in der Reinigung haben die hier solche Monstersauger, die das raussaugen können.

Wenn da so viel Sand ist, wo der wohnt, kommt der dann aus Brandenburg, fragt ihr ihr euch jetzt wahrscheinlich. Nee, kommt er nicht. Wo ich herkomme, will ich euch nicht sagen, ich kann es aber mal ganz grob andeuten: ich wohne in Asien, so irgendwo zwischen Indien, Kasachstan und Saudi-Arabien. Ich mach da nicht mehr so präzise Angaben, weil da ist mir schon mal was Unschönes passiert. Mich haben mal Zeugen Jehovas auf…

Ritt ins Blau | Hekto Pascale Rüediger: Alltagsgedicht

Viele meinen, ein kurzes Gedicht sei leichter zu analysieren als ein langes. Ganz falsch! Es ist, werte Leser, sogar umgekehrt: Denn was der Dichter hier im wahrsten Sinne des Wortes „verdichtet“, geht in seiner Bedeutung ja weit über das hinaus, was in den knappen Zeilen steckt. So weit, so selbstverständlich. Verehrte Leserinnen und Leser, nachdem ich mich Ihnen am Mittwoch vorgestellt habe, möchte ich heute zum ersten Mal mit Ihnen in die Tiefen der Gedichtinterpretation einsteigen. Lassen wir zunächst den Dichter zu Wort kommen.




Alltagsgedicht (v 2004)

Die gelblichen Fliesen verheißen heuchelnd
Einen freudebringenden Tag.
Doch der Spiegel verweigert vehement
Jede Anteilnahme an dieser Gemütslage.

Harte Worte, so denkt man. Sehen wir mal genauer hin. Zunächst wird Ihnen aufgefallen sein, dass sich dieses Gedicht nicht reimt. Muss es nämlich entgegen landläufigen Meinungen nicht! Was fällt uns noch auf (also eigentlich ja nur mir, oder zumindest weiß ich nicht, was Ihnen so auffäl…