Samstag, 29. November 2014

Der Kopf


Byrood hatte sich seine Kopfhaut ausgezogen. Er wollte „dynamisch fleischig“ daherkommen. Jetzt kam dieses Schreiben vom Verwaltungsapparat, er sollte am Montag in die Schyperbiusstraße kommen, hier war eine Zweigstelle des Amtes, das er aufsuchen sollte. Er war wahnsinnig aufgeregt. Er musste ja U-Bahn fahren, um zu dem Termin kommen zu können. Aber wie würden die Menschen in der Bahn auf seinen komplett entblößten Kopf reagieren.
Das Wochenende war ein Horror, er konnte nicht schlafen und nicht essen. Am Sonntag Abend las er ein Buch mit dem Titel „Der Kopf “, dann schlief er ein.

Samstag, 22. November 2014

Ritt ins Blau – Zehnter Teil: Roger Kittel: Hänsel und Gretel (bis auf weiteres)

Roger Kittel ist ja zurzeit in aller Munde. Nicht nur, daß seine mittlerweile als Bestseller zu betrachtenden literarischen Erzeugnisse die Kritiker in ungeahnter Einigkeit zu Lobeshymnen animieren, nein, Herr Kittel erweist sich als ein ungewöhnlich vielseitiger Autor. Dies zeigt sich auch im Hinblick auf die literarischen Gattungen, die er bedient: Von der Kurzgeschichte über den Kriminalroman zurück zur Kurzgeschichte hat er bereits alle Register gezogen. Dabei wird oft vergessen, wie das „erwachsen gewordene Nachwuchstalent“ (Wilhelm Brannt) angefangen hat.

Freitag, 14. November 2014

In einem Leuchtturm, Teil X

Sie nahmen Kurs auf eine westfriesische Insel. Dort wohnte der Auftraggeber. Er hieß Henk. Das ist ein westfriesischer Name. Michael sah die Männer die Kisten von Bord bringen. Henk sah er nicht. Es waren viele Kisten, sie mußten wohl an mehreren Orten gewesen sein, denn das konnte unmöglich alles aus der Junkers kommen, die er für einen Felsen gehalten hatte.
„Deine Reise ist hier zu Ende“, meinte plötzlich ein weiterer unbekannter Uniformierter zu ihm. „Aber … ich verstehe nicht. Sie meinten doch, Sie würden mich nach Hause bringen.“ „Hör zu, Junge, von hier aus ist es nicht weit zu deinem Leuchtturm, aber wir können nicht dorthin fahren.“ „Warum nicht?“ - „Nun, zuerst einmal gibt es in Deutschland zu viele Nazis.“ „Aber …“

Freitag, 7. November 2014

Die Hochzeit, die bombardiert werden sollte, oder Wie im Geschichtentitel schon alles verraten wird


Umm' Ruqayyah Wahshiyah Bint Muhammad, genannt Umm' Ruqayyah Wahshiyah Bint Muhammad, betrat die Tür. Die Soldaten guckten entsetzt. Was sie gerade gesagt hatte, war der Grund dafür.
Doch von Anfang an. Obwohl, an sich ist das der Anfang. Sie sagte folgendes: „Bitte bombardieren Sie die Hochzeit meiner Tochter!“1 Die Soldaten guckten entsetzt. „Wie sind Sie hier überhaupt reingekommen?“, fragte sie der diensthabende Oberst. „Spielt das eine Rolle?“, fragte sie ungewöhnlich selbstbewußt. „Naja ...“ „Ach, jetzt sind Sie ja schon mal da“, sprach der Feldwebel in Amtsanmaßung, „setzen Sie sich und trinken Sie eine Tasse Tee mit uns.“ „Gern“, sprach Wahshiyah. Die amerikanischen Soldaten gaben der afghanischen Frau Tee.