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Es werden Posts vom 2013 angezeigt.

Gastbeitrag: Weihnacht, Weihnacht (3)

11
Der Fährmann Urschanabi konnte einen gewissen Stolz nicht verbergen. Der Sprachbarriere wegen krempelte er sein Gewand hoch und versuchte durch Gesten darzustellen, was er zu gern ausrufen wollte. Er spannte mächtig seine Oberarmmuskeln an und grinste dabei von einem Ohr bis zum anderen. Dann deutete er mit der Hand abwechselnd auf die Bauwerke und dann wieder auf sich. Dazu zuckte er die Schultern. Ndogo war so schwer beeindruckt von der egozentrischen Freude des Fährmanns und nicht zuletzt den mächtigen Muskeln, dass sie sofort die Hand Balthasars losließ. Ihr verliebter Blick war nun fest auf Urschanabi gerichtet. Balthasar merkte sofort was geschah. Der Einweihungsplan ging über Bord. Trübsinnig dachte er an Debre, die ihm vor Jahren mal angedeutet hatte, dass er körperlich nicht die Wucht sei, zumindest im Vergleich zu seinen drei Freunden. Daraufhin hatte sich Balthasar in die Plantagenarbeit gestürzt und wollte an seinem Plan, eines Tages der Debre Birhan bei der Abschaffun…

Gastbeitrag: Weihnacht, Weihnacht (2)

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Als sich die Stürme gelegt hatten, war es schon wieder äthiopisch heiß. Kaspar wollte sagen „brütend heiß“ und gedachte seines ehemals gefiederten Nachtgesichtes. Um ihn herum lagen Klumpen zweifelhafter Konsistenz irre verstreut. Er konnte sich ihr Wesen nicht erklären. Seine Freunde fand er unter einer Dattel wieder. Sie hockten entspannt über den geschnitzten Mulden und harrten der Erfindung des Schachcomputers. Allerdings waren sie nicht mehr vollzählig. Die drei Rüpel Mika, Sisisba und Awnison schienen verschwunden. Kaspar streckte sich und schüttelte Staub von den Schuhen. In wenigen Tagen wird Kaspar etwas Unglaubliches wiederfahren, doch heute noch ahnte er nichts davon. Seine flinken Jungenaugen huschten stattdessen von Horizont zu Horizont und suchten angestrengt nach den drei Kumpelkas. In der Ferne verschwamm der Gerölldunst mit den Himmeln und erzeugte Spukbilder.

Gastbeitrag: Weihnacht, Weihnacht (1)

Liebe KREMesfreunde,
es ist uns eine große Freude, erstmals einen Gastbeitrag veröffentlichen zu dürfen. Es handelt sich um eine Weihnachtsgeschichte von Susjana Bergmann-Zwillich und Ja'akeb Mosche Müller, die auf Erzähltraditionen aus dem Libanon aufbaut. Sie ist in 15 "Fraktionen" unterteilt, denn der libanesische Advent beginnt erst 15 Tage vor Weihnachten (die neun vorhergehenden Tage sind der "Vor-Advent": Die Vor-Vorfreude spielt im libanesischen Volksglauben eine zentrale Rolle). Die Geschichte nutzt die Zahl 15 als Element zum "Rhythmischen Erzählen", das an den Ritt der drei Weisen zur Krippe erinnern soll. Indem gezielt mit traditionellen Mustern gespielt wird, wir der heutigen libanesischen Gesellschaft auch "ein Stück weit" (alle Zitate vom Verfasser) der Spiegel vorgehalten. Wegen ungeahnter Längen ist die Geschichte in drei Teile à 5 Fraktionen unterteilt, die wir Ihnen über Heiligabend und das Christfest präsentieren. Nun abe…

Von der Dekoration in einem Warenhaus

„Was ist das denn?“ Bruno Scheer war außer sich. „Häh? Wieso denn? Das ist meine Dekorationsarbeit“, antwortete der Lehrling. Bruno Scheer, der Chef des mittelständischen Warenhauses, sah sich die Anordnung der Gegenstände im Schaufenster genau an und wendete sich dann zum Lehrling. „Dennis, mein lieber Dennis, was um alles in der Welt hast du dir dabei gedacht, als du das Schaufenster dekoriert hast. Weihnachten steht vor der Tür, die wichtigste Zeit für unser Geschäft, und du hast die Dekorationsobjekte einfach hingeworfen. Dennis, was machst du bloß immer?“ „Aber Herr Scheer“, antwortete Dennis, „Sie haben mir doch eine genaue Anweisung gegeben, wie ich die Objekte arrangieren soll. Und so wirklich einfach war die Vorgabe nun auch wieder nicht. Ich meine, das ist halt meine Interpretation davon.“

Der Rechtsgrund (2)

„Das ist völliger Unsinn“, sagte der Justiziarrat zu dem Konsul, „ich sehe überhaupt keinen Grund dafür, daß wir diesen Begriff in das Strafgesetzbuch aufnehmen müssen. Außerdem werden in unserem Strafrecht keine Tätertypen mehr benannt, sondern lediglich Merkmale, die Tatbestände bilden. Somit ist der Begriff „Schreibtischtäter“ nicht zu gebrauchen.“ Der Justiziarrat war erregt, blieb aber sachlich. Der Konsul erwiderte: “Das Strafrecht braucht diese Bezeichnung aber ... es ist doch auch ganz logisch...wenn jemand jemanden mit einem Schreibtisch attackiert oder jemanden an einem Schreibtisch attackiert, dann ist er ein „Schreibtischtäter“. Ich verstehe einfach nicht, warum Sie das nicht wahrhaben wollen! Vielleicht sind Sie womöglich auch ein Schreibtischtäter und wollen deshalb diese Norm nicht haben...?“

Ein unbekanntes Tier (1/5)

Es war einmal ein unbekanntes Tier. Es hatte keine Freunde. Das lag daran, daß Tiere sich gern positionieren. Entweder du bist ein Freund, oder du bist der Feind. Das unbekannte Tier hatte die anderen Tiere beobachtet und daher diesen Schluß gezogen. Dem Feind gegenüber, so sahen es jedenfalls die Schimpansen, und von denen gab es hier jede Menge, mußte man mit Imponiergehabe gegenübertreten, um sie einzuschüchtern. Freunden gegenüber trat man jedoch mit Imponiergehabe gegenüber, um die eigene Stellung klarzumachen. Schimpansen liebten es, sich darzustellen, und die meisten waren gar nicht so wichtig, wie sie taten. Zum Beispiel stellten sich viele als Bandenführer dar, waren aber nur Gruppenführer, wenn es hoch kam. Das unbekannte Tier hatte beschlossen, sich mit den Schimpansen anzufreunden, weil es damit eine Allianz gegen die verhaßten Bonobos eingehen konnte. Diese selbstgefälligen Tiere mit blöden Augen und fetten Fingern, die harmoniesüchtig waren, waren sowohl ihm als auch, d…

Heinrich, so glaube mir

Aber Heinrich, eins muss ich dir noch mitteilen. Ich habe heute Vormittag, an diesem so wunderbaren Donnerstag, jemanden kennengelernt, der mir so fremd war. Er war ganz anders als du.
Ich hatte mit ihm telefoniert, sein Name ist Rainard, musst du wissen. Er arbeitet an der TH Finsterwalde und wollte mir ein wenig über die Vorzüge dieser Universität erzählen. Ich traf ihn also um zehn Uhr am Bahnhof in Elsterwerda, wir hatten einen Ort als Treffpunkt ausgemacht. Die Begrüßung war herzlich. Er schlug vor, daß wir eine kleine Runde drehen, dabei könne er mir von der Fakultät, der Universität und dem Studiengang erzählen. Wir verließen den tristen Bahnhof, er fing gerade an zu erzählen, da trat er in ein riesiges Hundeexkrement. Du weißt, wie unangenehm so etwas ist. Doch viel schlimmer noch war seiner Reaktion. Er blieb stehen, nahm seinen Fuß hoch, schaute sich das Unheil an und sagte sehr laut und mit übertriebener Betonung: „Oh nein, das ist ja so unendlich furchtbar. Wie konnte mi…

Ritt ins Blau – Sechster Teil: Fargot Bölschner: Herbst

Herbst
Die Kühle macht rational. Kein Platz für Herzelei Im Grunde ist egal Woran ich denk‘ dabei: Bei Trübsal, Trauer, Schmerzgesang Und herbstlich-herbem Sterbedrang.
Dieses Gedicht des Ausnahmetalents Fargot Bölschner ist mir jüngst über den Weg gelaufen. Es ist eins der fröhlicheren Werke des 2004 verstorbenen Künstlers. Bölschner litt zeit seines Lebens an Depressionen. Er versuchte, mithilfe selbstgebastelter lustiger Puppen davon loszukommen, ein Rat seines Psychologen. Ein besserer Weg war das Schreiben von Gedichten. In ellenlangen Balladen über phantastische Welten stürzte er sich und seine Leser in tiefe, faszinierende und nie gekannte Exzesse der Langeweile. Über die totale Abwesenheit von Spannung, ja Handlung, vergaß er seine seelischen Sorgen.

Der Rechtsgrund

Schwere Wolken wogen über der JVA Piersheim. Es war gerade 07:34 Uhr an diesem kühlen 04. August 2001. Aggressiv packte der Strafvollzugsbeamte den zu Inhaftierenden am Arm und zerrte ihn durch den langen, menschenleeren Flur. „Was soll das? Zum 100. Mal, weshalb bin ich hier? Warum soll ich ins Gefängnis? Ich habe nichts getan!“ Der Beamte schüttelte nur mit dem Kopf. „Jetzt sagen Sie schon, was los ist, sonst schreie ich!“ Hermann Harbich, Vollzugsbeamter aus Leidenschaft, blieb stehen. „Herr Supermann, der Grund, weshalb sie inhaftiert werden, ist ein ganz einfacher.“ „Der da wäre? Ich hatte keinen Prozess, keine Anhörung, kein gar nichts, ich weiß überhaupt nicht, was ich hier soll.“ „Na gut, Herr Supermann, der Grund ist folgender: Kennen sie das Wort „heldenhaft“?“ Supermann antwortete gereizt: „Ja, kenne ich! Und?“ Harbich schaute ihm tief in die Augen: “Naja, das ist es schon, „heldenhaft“ oder ich sag mal besser „Helden-Haft“. Supermann schaute irritiert: “Hää?“, dann fasste…

KREM FRAGT NACH

Die Lage ist ernst: Deutschland steht rhetorisch am Abgrund. Die Griechen wollen unser Geld. Die Koalitionsverhandlungen ziehen sich hin. Und keine Partei hat sich im Wahlkampf zum KREM geäußert, dem anonymen Medium mit Relevanz. Wir haben Vertreter aller Parteien, die wir kennen, in die Redaktion eingeladen, um Tacheles zu reden.
Und das sind die Gäste:
Siegbert Manzel, CDU, stellvertretender Platzhalter Alois Riesenschauzer, CSU, gletscher- und felsspaltpolitischer Sprecher Peter Pahn, SPD, Oberbürgermeister von Hort (Westfalen) Ahmadine Jakusi-Fürunkel, Grüne, wütendes Mitglied Dagmar Poriza, Linke., Plattform „Faschismus bekämpfen bis zur letzten Patrone“ Rosine Gennewitz-Storch, FDP, Autorin des Buches „Mehr Geld vom Staat? Direktmandat!“ Das Gespräch führen Chefredakteur Christoph Teusche und Gerd von Rehlenhoff.

Eine Zugfahrt, die ist lustig

Wir befinden uns im Führerhaus von Bernd L. Er ist Zugführer in der ExL-C6, dem neuen Mittelgeschwindigkeits-Triebkopf für Regionalstrecken in Hessen. Ja, wir reden hier von einem Lokführer, das mag der eine oder andere „Zugfreund“ schon erkannt haben. L. ist bereits seit 27 Jahren Lokführer. Aber heute hat er etwas Großes vor: Er will seiner langjährigen Frau einen Liebesbeweis erbringen. Aber lassen wir ihn doch selbst zu Wort kommen. „Ja, willkommen in meiner ZuG-C6, das ist mein ganzer Stolz.“ „Aber Sie haben diese Lokomotive nicht erfunden, oder?“ „Nein ...“ „Auch haben Sie sie nicht gebaut?“ „Äh ...“ „Auch für den Kauf waren Sie nicht verantwortlich?“ „Na hören Sie mal. Ich bin der Kapitän! Sage ich jetzt mal.“ „Ist ja schon gut, ich wollte Sie nicht ärgern.“ „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben Ihr Ziel erreicht!“ meint er ironisch.

Das Ende

Grelles weißes Licht durchströmte jeden Winkel des toten Waldes. Die beiden Kampfmonstermaschinen erhoben sich Kilometer hoch. Ihre stählernen Körper, ihre glühenden Riesensteinfäuste donnerten so laut, dass man auf der Stelle taub werden musste. Menschen und Tiere waren nicht mehr. Gerade einmal die allerhöchsten Bäume konnten sich noch behaupten.

Tag der geschlossenen Tür

„Luxus muß sich wieder lohnen!“ – mit dieser Werbebotschaft geht derzeit das Einzelhandelsunternehmen Schaubitz hausieren. Der sog. „Teuer-Markt“ wendet eine in Deutschland bisher unbekannte Strategie an: Er versucht, durch hohe Preise Kunden zu gewinnen. Natürlich gibt es das: Delikatessengeschäfte greifen dem Gourmet gern in die Tasche, Bioläden und Reformhäuser verlangen einen Aufschlag fürs Gewissen. „Bei uns erlangt der Kunde jedoch keinerlei Mehrwert“, sagt Unternehmenssprecher Uwe Schastiesen hinter vorgehaltener Hand. Da er mit vorgehaltener Hand sehr schwer zu verstehen ist, wiederholt er den Satz noch einmal deutlich, dann immer und immer wieder, wie ein Mantra. Als wir ihn fragen, was er mit „jedoch“ meint, erwidert er, oft würde sein Zitat als Abschluß einer Übersicht über Geschäfte gebracht, in denen es hohe Preise gebe, die dem Kunden aber dafür etwas böten. „Daher habe ich mir angewöhnt, das „jedoch“ gleich mitzusagen, bemerkt er augenzwinkernd.“, sagt er schmunzelnd.

Ritt ins Blau – Fünfter Teil: Das große Sabbervogel-Lexikon der Schimpfwörter

Mit diesem Buch hat der Kurt Sabbervogel Verlag den sprichwörtlichen „Vogel“ abgeschossen. Der bisher durch eher konventionelle Literatur bekannte Verlag, der alle zehn Jahre den „Großen Sabbervogel“ herausbringt, versucht jetzt, neue Leserschichten zu erreichen, indem er tief in die Gosse herabsteigt und dem Pöbel aufs Maul schaut. Passend dazu erscheint der „Schimpf-Sabber“, wie er von mir inzwischen genannt wird, auch als E-Book und online für mobile Geräte. „Wir würden es den Leuten auch auf die Pupillen tätowieren, wenn diese Technologie zur Verfügung stünde.“, witzelte Kurt Sabbervogel jun. bei der Präsentation des zwölfbändigen Werkes, aber keiner lachte, so daß er beleidigt gar nichts mehr sagte.

Pressemitteilung

Liebe Leser,
mein Name ist Hajo Büttenscheeß. Die presserechtlich Verantwortlichen der Zeitschrift "DER KREM", meine Mandanten, sind zurzeit im sog. "deutsch-deutsch-deutsch-deutschen Urlaub" (Dänemark). Da die für den Betriebsablauf nötigen Mitarbeiter zurzeit unabkömmlich sind (im wohlverdienten "Urlaub"), obliegt es mir, in dem dafür vorgesehenen regelmäßigen Erscheinungszeitraum eine Ausgabe des einschlägigen Presserzeugnisses i.S.d. Pressegesetzes zu veröffentlichen.
Mit unverbindlichen Grüßen (Juristenkrankheit: nie verbindlich sein, das könnte Ansprüche begründen!)
gez. B ü t t e n s c h e e ß

Der Listen-Mann

Es war einmal ein Mann, der gern Listen führte. Wobei, gern trifft es nicht ganz. Er hatte einen Zwang, Listen zu führen, über alles, was sein Leben ausmachte. Er führte eine Liste über die Dinge, die er kaufen wollte. Da würden viele ja noch mitgehen und sagen, okay, Einkaufszettel, das mache ich auch. Er führte ebenfalls eine Liste über Dinge, die er tatsächlich kaufte. Gut, mag mancher sagen, das entspricht dem, was Einkaufsabteilungen von Unternehmen auch machen. Er führte eine Liste über das, was er gegessen hatte. Er führte eine Liste über das, was er nicht gegessen hatte und wegwerfen mußte. Jetzt könnte man meinen, er sei sehr gut organisiert, aber das ist falsch. Er zog überhaupt keine Konsequenzen aus seinen Listen. Er machte weiter wie bisher, als sei nichts gewesen.

Der 4. April

„Du kannst es mir glauben oder nicht, aber es ist wahr.“ „Ja was denn?“ „Ach so, habe ich das noch nicht gesagt? Dass bei einem alten Freund von mir alle Familienmitglieder am gleichen Tag Geburtstag haben.“ „Also, das glaube ich nicht!“ „Tja, es ist aber so. Und einmal war ich sogar zur Geburtstagsfeier eingeladen, am 4. April 1999. Ich war mit Marco, dem Jüngsten dieser Familie, befreundet. Ein Klassenkamerad von mir, ein bisschen dumm, aber nett. Wir haben viel Fußball miteinander gespielt. Eines Tages kam er zu mir, meinte er hätte Geburtstag und würde sich freuen, wenn ich zu ihm käme, Martschreiterweg 8, in Finkenow, unweit von Potsdam. Ich freute mich natürlich sehr und kaufte ein Dose Kackespray, die ich ihm schenken wollte. Ich wurde von meinem Vater hingefahren, da hörte man schon weitem den Lärm vom Grundstück. „Das ist aber laut“, stellte mein Vater richtigerweise fest, setzte mich ab und fuhr fort.

In einem Leuchtturm, Teil V

„Lieber Michael, wie geht’s? Wenn du das liest, hattest du keinen Motor, denn du bist die gleiche Richtung getrieben wie diese Flasche. Du bist quasi die personifizierte Flasche, also im Positiven. So, jetzt wissen wir schon mal, daß du irgendwo bist, wo die Strömung hinführt. Die zweite Frage ist, wo das genau das ist. Hast du eine Idee, wie man das rausfinden könnte? Tja, also ich bin am Überlegen, aber mir fällt nicht so recht etwas ein. Du könntest auch tot sein! Dann hätte dieser Brief nicht so viel Sinn. Tja, man sieht sich. Bernd.“
Fassungslos besah Michael das Stück Papier. Das war die Botschaft von Bernd? Das war alles? Er drehte das Blatt um, dort stand aber nichts. Er schaute in die Flasche, und tatsächlich fand er dort noch einen kleinen Zettel. Dem Datum war zu entnehmen, daß er später geschrieben worden war.

Der Leichenhof

Kasimir lief mit dem Spaten in der Hand den Weg über den Friedhof entlang. Es war sehr heiß an diesem hochsommerlichen 14. Juli 1991. Die Sonne brannte erbarmungslos auf der Haut. Jeder Schritt war eine Qual. Zum Glück hatte Kasimirs Mama zwei Flaschen Wasser mitgenommen. Am Grab angekommen warf er den Spaten neben sich. Uwerkja, seine Mama, war gut. Nachdem der Spaten wieder aufgehoben wurde, von einem Dritten, verschwand Kasimir.

Skandal: ehemaliger kauf schon!- Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe!

Plinius Meyer* erhebt schwere Vorwürfe gegen die Supermarkt-Kette kauf schon!. Wie er dem KREM mitteilte, mußte der damals 34jährige Fairtrade-Siegel auf herkömmliche Bananen und andere Produkte kleben. Später sei er sogar gezwungen worden, von Hand Bio-Zertifikate auf hauseigene Produkte zu zeichnen. „Ich habe natürlich große Gewissensbisse gehabt“, sagt der heute erwerbslose Doktor der Philosophie. „Teilweise habe ich die herkömmlichen Siegel, die ich von den Bananen abkratzen mußte, auf Fair-Trade-Tomaten geklebt, um eine Art ausgleichende Gerechtigkeit zu schaffen.

Der Wunschlose

Fleisch wollte sich einen guten Tag machen, dafür sprang er in sein Auto und fuhr aus der Stadt hinaus. Er fuhr und fuhr, wusste aber nicht wohin. Auf der Landstraße, einfach immer geradeaus fahren, das wollte er. Dann, kurz hinter Quermathen, sah er ein altes Haus stehen. Zerstört und verlassen war es. Er wusste nicht warum, aber er musste hinein. Er parkte, halb auf der Landstraße, die Taschenlampe hatte er zufällig dabei. Am Klingelschild des Hauses stand „Eus Levibus, ad mortem“. Fleisch hatte nie Latein, deshalb wusste er nicht, was das heißen sollte. Er lachte und ging zur Tür hinein. Dunkelheit, Schimmelgeruch. Die Decke kam ihm schon entgegen. Ein Dachs eilte schnell vor ihm fort. Da, auf einmal, sah er es. Das Amulett, von dem er schon so oft geträumt hat. Er nahm es schnell. Er wollte wieder aus dem Haus verschwinden, da rutschte er auf dem alten Teppich aus und stürzte auf den Boden. Er fiel auf eine alte Glasflasche, welche zersprang und sich in seinen Körper grub. Fleis…

Ritt ins Blau – Vierter Teil: Die Autos machen die Fahrräder krank

„Die Autos machen die Fahrräder krank“ von Bernd Verhouw

Diese Studie aus den späten 70er Jahren ist aktuell wie nie. Zum zehnten Jahrestag hat deshalb der Verlag Bäume Bäume und Bäume den Klassiker der Verkehrsplanung wieder aufgelegt und mit handgemalten Illustrationen versehen. Bernd Verhouw ist in einschlägigen Kreisen als Querulant bekannt. „Er legt Finger in Wunden, die andere erfolgreich behandeln“, meint ein Kollege, der namentlich nicht genannt werden will. Verhouw wird 1943 im belgischen Grenzort Schijssel geboren. Über seine Jugend ist nicht viel bekannt, angeblich schreibt er einen Brief an Konrad Adenauer mit der Bitte, Belgien zu besetzen. Dieser Bitte wird bekanntlich nicht nachgekommen. Mit 21 Jahren ist Verhouw wie so viele andere Menschen seiner Generation endlich volljährig. Er beschließt, Schreiner zu werden, fällt aber durch die Geschichtsprüfung. Schweren Herzens entscheidet er sich für ein Studium des Verkehrswesens und promoviert in Pädagogik und Mathematik. D…

35 Jahre Arbeit

„Schwester Hannah, schnell, ich brauche eine Blutkonserve B rhesus negativ!“, brüllte der Anästhesist die OP-Assisstentin an. Hektisch musterte sie den Raum, fand jedoch keine. „Ich geh' schnell eine Konserve holen!“ Sie war schon aus dem Operationssaal heraus, als der Arzt ihr eine Antwort gab. So schnell wie sie nur konnte, rannte sie durch die langen Gänge des August-Mampf-Sanatoriums. Dann, nach ewigen zwei Minuten, erreichte sie, in der hintersten Ecke des Wilhelminischen Gemäuers, die Konservenkammer. Sie suchte kurz und fand eine 5-Liter-Konserve B rhesus negativ. Beim greifen nach dem feuchten Beutel riss sie einen zweiten herunter, der auf den Boden fiel. Schützend hielt sich die Krankenschwester den Unterarm vor das Gesicht, um das spritzende Blut abzuwehren. Doch der Beutel blieb heil. Erschrocken eilte die Krankenschwester wieder zum OP, die Konserve in der Hand. Den Beutel, den sie hinunterwarf, hob sie mangels Zeit nicht mehr auf.

Ein Zitat und seine Geschichte: Friedrich III.

„Er [Anm. d. Red.: Kurfürst Friedrich III. von Preußen] will architektonisch anspruchsvolle Bauten errichten, die Künste und die Wissenschaften fördern und nicht zuletzt eine verschwenderische Repräsentation betreiben.“ (Helmut Zschocke, Die Berliner Akzisemauer, Berlin 2007, S. 15)


Friedrich III. steht im Kabinettssaal seines prunkvollen, aber noch recht gewöhnlichen Renaissanceschlosses und sinniert über seine Pläne. Er spricht zu seinem Diener, der wortlos danebensteht und sich immer verbeugt, wenn Friedrich ihn ansieht.

Ritt ins Blau – Dritter Teil: Ordham Schulze: Gott

Liebe Kunstbeflissenen! Ich möchte Ihnen in der Folgezeit die lyrischen Perlen der deutschen Kulturgeschichte vorstellen. Alle Gedichte haben mich in meinem Leben begleitet und geprägt. Die meisten Dichter kenne ich persönlich, viele sehen in mir ein Vorbild und einen Quell der Inspiration, gar einen „Heiland“1. Daher will ich auch nicht viel Kritisches sagen, aber ein paar Randnotizen müssen erlaubt sein.

Das ist das Vogtland

Pistazjo war handwerklich geradezu begnadet. Was auch immer repariert, geflickt oder gebaut werden musste, Pistazjo hat es selbst gemacht. Sogar das alte Haus im Vogtland, das er für seine Familie gekauft hatte, hat er komplett selbst saniert und renoviert. Was jedoch noch fehlte, war ein Balkon. Das Haus hatte keinen Balkon. Da das Gebäude nicht unter Denkmalschutz stand, war eine solche bauliche Veränderung wenig problematisch. Auch dieses wollte Pistazjo wieder alleine in Angriff nehmen. Jamelia, seine Frau, hatte große Zweifel daran, dass er es schaffen würde. Nachdem sie sich aber bewusst machte, was Pistazjo schon alles gebaut hatte, war sie doch einverstanden.

Zeitreise

Mein Freund Tom macht sich immer über mich lustig, weil ich so viel Zeit im Bad verbringe. Manchmal stellt er sich schlafend, wenn ich rauskomme, und fragt mich dann, wieviel Uhr es ist, wenn ich ihn aufwecke. Ich kommentiere das damit, daß ich ihn verprügle. Dann ist er still. Neulich war es mal wieder so weit. Ich ging ins Bad, um mich fertig zu machen. Es dauerte nicht länger als sonst, da bin ich mir sicher. Als ich rauskam, war niemand zu sehen. Ich lief ins Schlafzimmer, wo ein Zettel lag, der ein bißchen vergilbt und verstaubt aussah. Darauf stand: „Liebe Inga, wenn du das liest, werde ich schon viele Millionen Jahre tot sein. Trau keinem und verstecke dich vor ihnen. Sie werden …“ Hier endete die Aufzeichnung. „Sehr witzig, Tom, haha, haben wir gelacht!“ Niemand reagierte. Ich ging raus, um mir eine Schachtel Zigaretten zu kaufen. Als ich die Haustür verließ, wurde ich von einem menschenfressenden Flugroboter getötet.

Ratgeber leichtgemacht: Kompaß Rechtshilfe #1

Hallo, lieber KREM, ich heiße Fred Tschiche, meine Freunde nennen mich auch so, Fred Tschiche. Ich habe vor einem Jahr eine Wohnungskündigung gekriegt. Ich habe immer noch keine neue, aber ich will den Winter nicht wieder auf der Straße verbringen. Jetzt frage ich mich, könnte ich nicht für eine Weile im Knast wohnen? Was für ein Verbrechen müßte ich begehen, um so drei, vier Monate weg von der Straße zu sein? Vielleicht was zu mir: Ich bin eher so ein schüchterner Typ. Ich gehe nicht viel unter Menschen, naja, jetzt muß ich ja, wegen keiner eigener Wohnung, aber früher. Ich könnte keiner Fliege was zuleide tun. Ich habe auch keine Überzeugungskraft, um jemand zu betrügen. Desselbigengleichen habe ich keine Fingerfertigkeit, um Taschendiebstahl zu begehen. Aber ich bin stark und kann gut schreien. Ich hoffe, ihr wißt Rat! Es ist ja noch ein bißchen Zeit, aber die Tage werden schon wieder länger. Noch einen Winter übersteh ich nicht!

In einem Leuchtturm, Teil IV

Diese verfluchte Insel! Seit drei Wochen lebte Michael jetzt bereits hier. Das einzige, was ihn am Leben hielt, waren dreimal täglich antreibende, üppige Lunchpakete, die viele leichtverderbliche, aber unverdorbene Lebensmittel enthielten. Er hatte einen Freund gewonnen, die Möwe Markus. Jeden Abend setzte sie sich genau neben ihn, machte ihr Geschäft und flog wieder davon. Manchmal hatte Michael das Gefühl, sie erkenne ihn wieder und die Willkommensfreude spiegele sich in einem feinen Lächeln wider, manchmal meinte er aber auch sie nicht wiederzuerkennen, z.B. wenn sie eine andere Farbe hatte. Er hatte in der Zwischenzeit 50 Farbkarten erstellt, um die fünfzig verschiedenen Grautöne, denen er hier ausgesetzt war, abzubilden: fünfzehn von den Möwen, siebzehn im Wasser und achtzehn am Himmel. Die Farbe gewann er aus – nun ja, das läßt sich denken. Als er mal wieder den aus Eigenhaar hergestellten Pinsel schwang, das mehrlagige Toilettenpapier vor sich, das in den Lunchpaketen enthalten…

Treffen sich zwei Zecken

Hannover, Herrenhäuser Garten, 16:22 Uhr. Zwei Zecken hängen an zwei benachbarten Grashalmen. Als der Wind weht, berühren sich die Halme. Die eine Zecke nutzt die Gunst der Sekunde und wechselt den Halm. „Mensch Ralf, du Blutsauger, wie geht’s dir?“ „Horst, alter Genickschuß! Mensch, wie lange ist das her, zwei, drei, vier Wochen?“ „Ich weiß es nicht, eine Ewigkeit jedenfalls! Mensch, laß dich drücken … Ach so, das ist uns wegen unserer Anatomie ja nicht möglich … Blöd … Naja, egal. Wie stehen die Aktien, du Schlawiner!“ „Also, ick muß dir ganz ehrlich sagen, es könnte nicht besser laufen. Ich habe gerade den Grashalm abgezahlt, meine 6000 Kinder sind aus dem Haus, und meine Frau läßt mich auch in Ruhe. Blöd nur, daß ich immer eine neue Familie gründen muß, sobald ich mich in einen Wirt festgesaugt und mich daraufhin woanders niedergelassen habe.“

Føroyar

Richard wachte erschöpft auf. Er hatte am Tag zuvor noch bis Mitternacht die Schafe in das Gehege treiben müssen. Langsam stieg er die Treppen des kleinen Holzhauses herunter, sprach kurz mit seiner Gastmutter, Istærd, und verließ das Haus. Er folgte der kleinen Dorfstraße, die am Vormittag immer von Nebel verhangen war. Kleine schwarze Holz- und Steinhäuser, welche mit Gras gedeckt waren, umschlossen seinen Weg. Nach wenigen Minuten schon verließ er den Ort und die Straße. Er lief quer über das Feld, den Hügel, der zu einem über 770 m hohen Berg werden sollte, herauf. Zuerst ging es aber noch mal bergab. Er rannte und rutschte auf der nassen Wiese, immer das Meer im Blick. Überall war Meer, denn Richard befand sich auf den Färöern, auf der Insel Vágar.

Redaktionspraktikum

Der (14-Jährige) Maik Weichbrodt hat bei uns ein Grundschulpraktikum gemacht. Sie fragen sich vielleicht: Wozu ein Grundschulpraktikum? Das war auch unsere erste Reaktion. Lesen Sie nun den Text von Maik, wie er die Woche bei uns erlebt hat. Die Orthographie haben wir liebevoll und sorgfältig angepaßt.
Hallo ich bin Maik. Ich gehe in die 9a in der Horst-Wesel-Grundschule in Wessel. Meine Lehrerin heißt Frau Finke. Mein bester Kumpel heißt Ole. Mein zweitbester Kumpel heißt Joschua. Mein drittbester Kumpel heißt Peter. Wir haben zwei Peters in der Klasse. Aber der eine ist nicht mein Kumpel.

Mitteilung der Redaktion

Liebe KREMer_innen,
einige von Euch wissen es schon, die anderen, die sich wundern, warum sich bei ihrem KREM-App in den letzten Tagen nichts getan hat, sollen jetzt von offizieller Seite aufgeklärt werden.
Es wurde wurde viel spekuliert, warum Christoph Teusche in den letzten Tagen keine Artikel verfasst und sich auch nicht bei den Lesern gemeldet hat. Normalerweise ist ihm das Kommentieren und Diskutieren mit den Lesern eine Herzensangelegenheit. Dies war ihm aber nicht möglich, da er einen Autounfall hatte und im Krankenhaus liegt.

Sechstausend Meter und höher: Berge

„Diesmal sollte es andersherum sein“, dachten sich die drei Sechstausender aus Nepal. „Diesmal gehen wir klettern, und zwar auf Bergsteigern.“ Was der Machapucharé, der Kaya Chuli und der Tukche Ri sich da in den Kopf gesetzt hatten, schien zunächst völlig verrückt, aber je länger sie auf mich einredeten, desto mehr glaubte auch ich an dieses Unterfangen. Sie waren so fest überzeugt von ihrem Traum, dass ich nicht anders konnte, als ihnen zu helfen. Zunächst mussten alle Bergsteiger dieser Welt ins Himalaya geholt werden, denn dort sollten sie gestapelt und fixiert werden, damit die drei Sechstausender hinaufklettern konnten. Erstaunlicherweise habe ich dafür kaum zwei Wochen gebraucht. Natürlich konnte ich sie nur unter einem Vorwand nach Nepal holen, doch sie fielen alle, ausnahmslos, darauf rein. Nun musste ich sie stapeln. Auch das ist mir unter Verschweigen der Wahrheit gelungen. Selbst das Fixieren haben sie noch mitgemacht, ohne misstrauisch zu werden. Der Anblick der 8.253.3…

Ritt ins Blau – Zweiter Teil: Ultrabahn

Die Ultrabahn – nächster Halt: Fortschritt?
Werte Leserschaft, ich möchte Ihnen heute ein neues Buch zu Gemüte führen. Es handelt sich um eine Science-Fiction-Novelle des namhaften Philosophen und Soziologen Kiter Verbel, der hier mit den Ängsten der Menschen vor Fremdem und aber auch mit der Eisenbahn spielt. Zunächst möchte Ihnen eine Inhaltsangabe angedeihen lassen:
Wir schreiben das Jahr 2015. Die neueste Errungenschaft der Zivilisation ist die so genannte Ultrabahn.

Wie geht Qualitätsjournalismus? #6: Lifestyle

Liebe Leser_innen, liebe Leser,
Ich bin Lila Kohns und heiße euch ganz herzlich willkommen in unserem Ressort Fashion :-) Hier bei uns wird über den alltäglichen Irrsinn, die ganz großen Gedanken, über die neuesten Modetrends, aber auch einfach über das Schöne im Leben geschrieben. Mir zur Seite stehen Justus Matereit und Aygül Yıldırım. Wir drei sind häufig unterwegs, vor allem an Orten, wo viel passiert und wo interessante Menschen sind :-) Menschen, die individuell sind und Geschichten zu erzählen haben. Ich glaube aber, ein Steckbrief von mir, kann am besten erzählen, wer ich bin.

Da verstand ich

Der freundliche Herr, zu dem wir gehen sollten, zeigte uns einen sehr gemütlichen Raum, in dem man liegend speisen konnte. Es standen verzierte und gepolsterte Sitz- und Liegemöbel bereit. Der Raum war bereits für die Feierlichkeit ausgerichtet, für die wir ihn mieten wollten. Hoffentlich war es unserem Meister nicht zu luxuriös. Ich ging in die Stadt, um Besorgungen zu machen. Ich würde meiner Familie gerne eine Nachricht zukommen lassen, wo ich war und wie es mir ging. Ich hatte sie ewig nicht gesehen. Der Kleine sah bestimmt schon völlig anders aus – ob er mich wiedererkennen würde? Aber den anderen, mit denen ich reiste, ging es genauso. Ich verstand mich gut mit ihnen, sie waren alle nett. Uns verband ein gemeinsames Gefühl der Erhabenheit. Wir hielten uns für Gelehrte, Eingeweihte, aber doch mit den Menschen auf der Straße verbunden. Vielleicht könnte man sagen: Wir waren erhaben durch Freundlichkeit, in dem Sinne, daß wir freundlich zu allen waren und alle unsere Freundlichke…

Wie geht Qualitätsjournalismus? #5: Sport

Ein ganz herzliches Hallo und Willkommen im sportlichsten Ressorts des KREMs, dem Sport-Ressort. Mein Name ist Malte Lüwers, ich bin hier der Ressortleiter. Ganz nach dem Grundsatz „Sport findet statt, wenn man eine Sportplatz hat. Sport gibt des nicht, ist der Sportplatz dicht“ möchte ich einen kleinen Einblick geben in das Leben in einer funktionierenden Sportredaktion. Und soviel sei gesagt, heute ist der Sportplatz nicht dicht. Ich habe mir überlegt, dass ich einfach die meist gestellten Fragen zum Thema Sportredaktion beantworte, so müsste für jeden etwas dabei sein.

In einem Leuchtturm, Teil III

Die Wellen schlugen gegen die trostlose Insel, die dort im Meer lag, scheinbar aus dem einzigen Grund, um Schiffe zu zerstören. Tatsächlich waren hier bereits zahllose Schiffe verunglückt. Die Insel war von unglaublicher Trostlosigkeit. Im wesentlichen bestand sie aus einem glatten, zu großen Teilen bemoosten Felsen, der zur Inselmitte hin spitz zulief, so daß Schiffe, die hier aufliefen – wobei dies allein viele Schiffe schon zerstörte – schließlich von den scharfen Kanten in der Mitte leckschlugen. Durch die Form des Felsens ließ sich das Schiff auch meistens nur sehr schwer wieder hinunter manövrieren, auch wenn die Insel permanent nahezu vollständig von Wellen überspült wurde. Spätestens hierbei gingen die bis dahin heil gebliebenen Schiffe kaputt. Neben dem Felsen befand sich zu einer Seite ein kleiner Strand. Die ganze Insel war nicht größer als 100 m², außer dem Moos gab es hier kein dauerhaftes Leben.

Eine mongolische Nacht

Es war der letzte Abend, an dem sich Milazim in Ulaanbaatar aufhielt. Er wollte noch einmal spazieren gehen, noch einmal die Stadt bei Dunkelheit sehen. Die großen Prachtstraßen kreuzten seinen Weg, dann kam er in die kleinen, von Arbeitern bewohnten Gassen. Der Wind wehte kühl, es war noch Sommer, doch die Stimmung kündete schon vom Herbst. Milazim setzte sich auf eine Bank und zündete sich eine Zigarette der Marke Eshquood an, da hörte er immer lauter werdende Stimmen. Sie kamen aus einer Kneipe, vom Wind zu ihm getragen. Er verstand nicht alles, die Stimmen sprachen in einem merkwürdigen Dialekt. Doch er verstand vieles. „Ich halte es nicht mehr aus! Ich halte es einfach nicht mehr aus! Weißt du, was mich am aller meisten ankotzt? Daß ich nicht einfach gehen kann. Wenn ich einmal unterwegs bin, muss ich sechs Monate bleiben. Es ist zum Heulen! Ich möchte einfach weg. Das geht natürlich nicht, aber es sammelt sich so viel Hass in mir, daß ich es gar nicht mehr aushalte!“

Live von der Flut

Hallo, hier ist eure Wetterfee Tilman Bartning. Ich bin hier in Meißen, wo die Pegel unaufhörlich steigen. Eigentlich bin ich privat hier, aus purer Sensationslust. Ich finde es interessant, wie die Stadt aussieht, so voller Wasser. Die Elbe fließt quer durch die Stadt durch. Ich frage die Menschen, ob sie auch nur zum Gucken 400 km angereist wären, die meisten schütteln verständnislos den Kopf. Einer meint: „In där Dä Dä äR hätte es so wos nischt gegäbn, ne Flüt hatten wor domols, abor keene Schurnalisten, die sich wie die Geier uff die nexte Sensatiön stöozen.“ Betreten trete ich beiseite.

Wie geht Qualitätsjournalismus? #4: Politik

„Politik fängt im Kopf an.“ Diese schlichte Wahrheit offenbart mehr, als uns lieb ist. Als Yassir Arafat im Juni 1972 vor der Hizb'Allah (Anm. d. Red.: Hisbolla) vom bedingungslosen Bilateralverzicht sprach, wurde seine menschliche Größe und politische Klasse mehr als deutlich. Man kann die politischen Tugenden nicht an einer Hand abzählen (es sind sieben). Man benötigt zwei Hände.

Bertolt und das Dach

„Bertolt, da ist was!“ sagte Heidemarie zu ihrem Gatten verunsichert. „Da ist wirklich was, geh mal bitte schnell nachgucken. Ich selbst kann nicht nachgucken, aber du, schau mal bitte was da auf dem Dach ist. Ich glaub das ist gar nicht gut.“ Bertolt, der ein wenig genervt war, er trank gerade ein Glas Wasser und sonnte sich, stand also also auf, ging zur Hauswand und schaute hoch. „Ach Heidemarie, da ist nichts, wirklich. Was soll denn da sein?“ „Doch doch doch, da ist was, geh, hol die Leiter und dann steig rauf und schau nach“, rief Heidemarie inzwischen sehr nervös. Bertolt wirkte gelassen, als er die Leiter holte. Er lehnte sie vorsichtig an die Hauswand und fuhr hoch. Als er auf dem Dach stand, erblickte er es. „Da ist ja tatsächlich etwas, Heidemariechen, da ist was!“

In eigener Sache

Liebe Leserschaft, wie wir heute erfahren haben, sind wir, DER KREM, in der Kategorie Kultur und Unterhaltung, für den Grimme Online Award, nominiert*. Wir möchten uns zunächst bei der Jury bedanken, die uns in die Liste der Nominierten aufgenommen hat. Hätte sie das nicht getan, wären wir jetzt nicht nominiert. Weiterhin gebührt unser Dank natürlich unserem treuen aber auch kritischen Publikum, das durch stetes Kommentieren unserer Artikel ein punktgenaues Feedback gibt, aber auch nicht müde wird, interessante Diskussionen anzuregen. Zuletzt möchten wir uns noch bei uns selbst bedanken, da wir großartige Arbeit geleistet haben.
Danke, Redaktion DER KREM. Bitte, Redaktion DER KREM.


*gelogen, falsch, unwahr

Ritt ins Blau - Erster Teil

Heute will ich darlegen, wie man ein Gedicht analysiert und interpretiert. Als Beispiel habe ich dafür das Gedicht Hoffnung von Johann Wolfgang von Goethe ausgewählt. Es handelt nur vordergründig.
Hoffnung
Schaff, das Tagwerk meiner Händ, / Hohes Glück, dass ich's vollende! / Lass, o lass mich nicht ermatten! / Nein, es sind nicht leere Träume: / Jetzt nur Stangen, diese Bäume / Geben einst noch Frucht und Schatten.




Eine Wortneukombination ermöglicht es, die ursprüngliche Intention des Verfassers zu verändern.

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