Samstag, 30. November 2013

Heinrich, so glaube mir

Aber Heinrich, eins muss ich dir noch mitteilen. Ich habe heute Vormittag, an diesem so wunderbaren Donnerstag, jemanden kennengelernt, der mir so fremd war. Er war ganz anders als du.
Ich hatte mit ihm telefoniert, sein Name ist Rainard, musst du wissen. Er arbeitet an der TH Finsterwalde und wollte mir ein wenig über die Vorzüge dieser Universität erzählen. Ich traf ihn also um zehn Uhr am Bahnhof in Elsterwerda, wir hatten einen Ort als Treffpunkt ausgemacht. Die Begrüßung war herzlich. Er schlug vor, daß wir eine kleine Runde drehen, dabei könne er mir von der Fakultät, der Universität und dem Studiengang erzählen. Wir verließen den tristen Bahnhof, er fing gerade an zu erzählen, da trat er in ein riesiges Hundeexkrement. Du weißt, wie unangenehm so etwas ist. Doch viel schlimmer noch war seiner Reaktion. Er blieb stehen, nahm seinen Fuß hoch, schaute sich das Unheil an und sagte sehr laut und mit übertriebener Betonung: „Oh nein, das ist ja so unendlich furchtbar. Wie konnte mir das nur passieren.“ Er klang, als wäre er extra hinein getreten und mache sich nun über sich selbst lustig.

Freitag, 22. November 2013

Ritt ins Blau – Sechster Teil: Fargot Bölschner: Herbst

Herbst

Die Kühle macht rational.
Kein Platz für Herzelei
Im Grunde ist egal
Woran ich denk‘ dabei:
Bei Trübsal, Trauer, Schmerzgesang
Und herbstlich-herbem Sterbedrang.

Dieses Gedicht des Ausnahmetalents Fargot Bölschner ist mir jüngst über den Weg gelaufen. Es ist eins der fröhlicheren Werke des 2004 verstorbenen Künstlers. Bölschner litt zeit seines Lebens an Depressionen. Er versuchte, mithilfe selbstgebastelter lustiger Puppen davon loszukommen, ein Rat seines Psychologen. Ein besserer Weg war das Schreiben von Gedichten. In ellenlangen Balladen über phantastische Welten stürzte er sich und seine Leser in tiefe, faszinierende und nie gekannte Exzesse der Langeweile. Über die totale Abwesenheit von Spannung, ja Handlung, vergaß er seine seelischen Sorgen.

Freitag, 15. November 2013

Der Rechtsgrund

Schwere Wolken wogen über der JVA Piersheim. Es war gerade 07:34 Uhr an diesem kühlen 04. August 2001. Aggressiv packte der Strafvollzugsbeamte den zu Inhaftierenden am Arm und zerrte ihn durch den langen, menschenleeren Flur. „Was soll das? Zum 100. Mal, weshalb bin ich hier? Warum soll ich ins Gefängnis? Ich habe nichts getan!“ Der Beamte schüttelte nur mit dem Kopf. „Jetzt sagen Sie schon, was los ist, sonst schreie ich!“ Hermann Harbich, Vollzugsbeamter aus Leidenschaft, blieb stehen. „Herr Supermann, der Grund, weshalb sie inhaftiert werden, ist ein ganz einfacher.“ „Der da wäre? Ich hatte keinen Prozess, keine Anhörung, kein gar nichts, ich weiß überhaupt nicht, was ich hier soll.“ „Na gut, Herr Supermann, der Grund ist folgender: Kennen sie das Wort „heldenhaft“?“ Supermann antwortete gereizt: „Ja, kenne ich! Und?“ Harbich schaute ihm tief in die Augen: “Naja, das ist es schon, „heldenhaft“ oder ich sag mal besser „Helden-Haft“. Supermann schaute irritiert: “Hää?“, dann fasste er sich auf einmal an den Kopf und begann zu lachen: „Achso, „Helden-Haft“, das ist ja ein entsetzliches Wortspiel.“

Donnerstag, 7. November 2013

KREM FRAGT NACH

Die Lage ist ernst: Deutschland steht rhetorisch am Abgrund. Die Griechen wollen unser Geld. Die Koalitionsverhandlungen ziehen sich hin. Und keine Partei hat sich im Wahlkampf zum KREM geäußert, dem anonymen Medium mit Relevanz. Wir haben Vertreter aller Parteien, die wir kennen, in die Redaktion eingeladen, um Tacheles zu reden.

Und das sind die Gäste:

  • Siegbert Manzel, CDU, stellvertretender Platzhalter
  • Alois Riesenschauzer, CSU, gletscher- und felsspaltpolitischer Sprecher
  • Peter Pahn, SPD, Oberbürgermeister von Hort (Westfalen)
  • Ahmadine Jakusi-Fürunkel, Grüne, wütendes Mitglied
  • Dagmar Poriza, Linke., Plattform „Faschismus bekämpfen bis zur letzten Patrone“
  • Rosine Gennewitz-Storch, FDP, Autorin des Buches „Mehr Geld vom Staat? Direktmandat!“
Das Gespräch führen Chefredakteur Christoph Teusche und Gerd von Rehlenhoff.