Freitag, 15. November 2013

Der Rechtsgrund

Schwere Wolken wogen über der JVA Piersheim. Es war gerade 07:34 Uhr an diesem kühlen 04. August 2001. Aggressiv packte der Strafvollzugsbeamte den zu Inhaftierenden am Arm und zerrte ihn durch den langen, menschenleeren Flur. „Was soll das? Zum 100. Mal, weshalb bin ich hier? Warum soll ich ins Gefängnis? Ich habe nichts getan!“ Der Beamte schüttelte nur mit dem Kopf. „Jetzt sagen Sie schon, was los ist, sonst schreie ich!“ Hermann Harbich, Vollzugsbeamter aus Leidenschaft, blieb stehen. „Herr Supermann, der Grund, weshalb sie inhaftiert werden, ist ein ganz einfacher.“ „Der da wäre? Ich hatte keinen Prozess, keine Anhörung, kein gar nichts, ich weiß überhaupt nicht, was ich hier soll.“ „Na gut, Herr Supermann, der Grund ist folgender: Kennen sie das Wort „heldenhaft“?“ Supermann antwortete gereizt: „Ja, kenne ich! Und?“ Harbich schaute ihm tief in die Augen: “Naja, das ist es schon, „heldenhaft“ oder ich sag mal besser „Helden-Haft“. Supermann schaute irritiert: “Hää?“, dann fasste er sich auf einmal an den Kopf und begann zu lachen: „Achso, „Helden-Haft“, das ist ja ein entsetzliches Wortspiel.“
Beide schwiegen. Harbich packte wieder fester zu und zerrte Supermann weiter: “So, das ist der Grund und Sie kommen jetzt mit!“ Jetzt begann Supermann erst richtig zu verstehen und wurde sauer: “Das ist jetzt der Grund? So ein beschissenes Wortspiel? "Helden-Haft"! Ich glaub's nicht! "Helden-Haft"! Das kann doch nicht wahr sein! Die Existenz eines Wortes bringt mich ins Gefängnis?? Ich raste gleich aus!!! Ich rette jeden Tag irgendwelche dummen Leute und komme jetzt auch noch in den Knast, nur weil irgendwer... ja, wer hat sich das denn ausgedacht, wer bestimmt das alles??“ Harbich verzog keine Miene: “Darf ich nicht sagen.“ „Wie, dürfen Sie nicht sagen? Die ganze Scheiße muss sich doch irgend jemand ausgedacht haben? Ich flippe aus! Ernsthaft!“ Harbich dreht Supermann den Arm um und drückte ihn an die Wand! „Du hältst jetzt deine Schnauze!“, er drehte den Arm jetzt noch fester um, „Die Rechtsgrundlage ist das Wort „heldenhaft“, das ist Grund genug, um dich für immer wegzusperren! Wenn du jetzt weiter so wenig gehorchst, mach ich dir gänzlich den Garaus! Kapische?“ Supermann weinte, konnte aber noch ein leises „Ja“ aus seinen an die Wand gepressten Lippen quetschen.
Harbich riss ihn von der Wand los und zerrte ihn in eine winzige Zelle, die er, ohne ein Wort zu sagen, schloss.
Supermann war sauer, traute sich aber nicht, irgendetwas zu sagen. Er schwieg und wartete ab. Tage, Wochen, Monate vergingen, er hatte sich inzwischen mit dem Gefängnisalltag arrangiert, da hörte er im Hof einen unglaublichen Lärm. Sein vergittertes Fenster ging zum Appellplatz hinaus, dort müssen tausende Menschen gewesen sein. Es kamen Autos über Autos, immer mehr Menschen. Alle wurden sie geprügelt und gedrängt. Supermann verstand nicht. Es waren so viele Menschen, sie konnten alle gar nicht in das Gefängnis passen. Die ganze Nacht und den ganzen nächsten Tag und die ganze nächste Nacht und den folgenden Tag und die darauf folgende Nacht wurden mehr und mehr Menschen herangeschafft. Jetzt kamen die ersten Menschen auch in den Gang, wo Supermann inhaftiert war. „Los los los! Bewege dich, du...!“ Ein ziemlich normal aussehender junger Mann wurde durch den Gang geschubst, bis er vor Supermanns Zelle zum Stehen gebracht wurde. „Rein hier!“, schrie der Vollzugsbeamte, diesmal aber nicht Harbich, sondern jemand anderes. Der junge Mann bekam einen Tritt und landete in der Zelle. Der Beamte schmiss die Tür zu, verriegelte sie und brüllte: „Schnauze halten! Geredet wird hier nicht!“ Der junge Mann missachtete sofort den Befehl des Wärters und begann zu sprechen: „Wer bist du? Mein Name ist Jakob. Ich will hier wieder raus!“, er schien verzweifelt. „Du kommst hier bestimmt wieder raus. Ich meine, du hast doch bestimmt einen Prozess oder so was gehabt, wofür musst du sitzen?“ Jakob erwiderte: “Prozess? Dass ich nicht lache! Du wirst mir nicht glauben, warum ich hier bin. Die Arschlöcher haben mich einfach von zu Hause abgeholt, so wie alle anderen aus meinem Haus auch. Meine ganze Straße haben sie leergeräumt. Den ganzen Bezirk!“ Supermann riss die Augen auf: „Das ist ja unheimlich, naja, und dann?“ „Als ich dann in so ein gepanzertes Auto gekommen bin, mit 20 anderen Leuten, hab ich den Bullen gefragt, was das soll. Der wollte zuerst nichts sagen, aber ich habe so lange rumgebrüllt, bis er angefangen hat. Er hat mich angeschaut und gefragt, ob ich das Wort „statthaft“ kenne.“ Supermann war entsetzt. „Nein! Das kann nicht wahr sein!“ Jakob fuhr fort: “Hast du das etwa sofort kapiert? Ich hab das nämlich erst mal nicht verstanden und meinte, ich verstehe nur Bahnhof, dann hat mir der Bulle aber gesagt, das Wort hieße ja schließlich „statthaft“, bzw. „Stadt-Haft“. Das soll schon der Grund gewesen sein. Eine ganze Stadt wegsperren. „Stadt-Haft“!“ Supermann schüttelte mit dem Kopf: „So ein scheiß Wortspiel, dabei schreibt man das ja sogar noch anders. Statthaft schreibt man ja mit doppel „T“, nicht mit „DT“. Ich hab ja mal Jura studiert, deshalb ist mir das Wort sehr bekannt.“ „Aha, cool“ sagte Jakob, „“statthaft“ bedeutet ja eigentlich so was wie zulässig, hier mal ein Beispiel: „es ist nicht statthaft, hier zu rauchen“, also es geht darum, ob eine Institution das erlaubt, so kann man das verwenden.“ Jakob nickte:“Ah ja, cool, wusste ich gar nicht. Haste Jura dann zu Ende gemacht?“ Supermann musste grinsen, er wollte gerade ansetzen zu reden, dann fuhr Jakob selber fort: „Du hast bestimmt so nach dem 2 Semester aufgehört, weil du zu viel auswendig lernen musstet, stimmt's?“ Supermann lachte: “Jein, ich hab aufgehört, weil ich einfach glaube, dass ich das nicht durchgezogen hätte, außerdem bin ich notentechnisch so im Mittelmaß hängen geblieben. Und wenn man kein Prädikatsexamen macht...“, Jakob warf ein: „Was für ein Ding?“ „Naja, so ein Prädikatsexamen, mindestens 10 Punkte von 18, dann haste eigentlich keine Chance, dich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Und das sehen viel zu viele Leute erst so nach 8 Semestern ein und da ist eh schon alles zu spät.“ „Achso, gut, dass du das also früher eingesehen hast.“ Supermann nickte. „Und warum bist du jetzt hier? Du hast ja jetzt so eine gewisse juristische Basis, was ist denn da die Rechtsgrundlage?“ „Die haben keine Rechtsgrundlage!“ Das dürfen die nicht! Die Existenz des Wortes „statthaft“ bzw. „Stadt-Haft“ ist keine Rechtsgrundlage, das ist ein SCHEISS! Rate mal, warum ich hier bin. Wie sehe ich aus?“ Jakob druckste kurz herum, dann antwortete er „Naja, du bist schon komisch angezogen, mit deinem Supermann-Kostüm.“ „Genau“, sagte Supermann, „Ich bin Supermann“, Jakob grinste, „Nein, echt? Das glaub ich dir nicht!“ Supermann fuhr fort: „Doch, glaub mir mal, ich hab auch einen Beweis: Wie sind Superhelden? Sag mir mal ein Adjektiv! Na?“ Jakob überlegte: „Mutig? Beherzt?“ Supermann nickte rasch: „Fast, fällt dir noch was ein?“ „Kühn, unerschrocken, unverzagt..heroisch...heldenhaft.“ Da schrie Supermann laut auf „Jetzt hast du's, "heldenhaft"! Fällt dir was auf? Heldenhaft?“ Jakob dachte kurz nach, dann machte er große Augen: “Nein, sag bloß, "Helden-Haft"? Das ist der Grund? Noch so eine Scheiße...“

Kommentare:

Jurist hat gesagt…

Also da sehe ich keinen Zwang.

Jurist 2 hat gesagt…

Ich auch nicht.

Jurist und Jurist 2 hat gesagt…

Da sind wir uns wohl einig. Was machst du heute, Jurist 2? Ich gehe in Musem. Aha. Ja. Okay.

Jurist oder Jurist 2 hat gesagt…

Wer könnte ich bloß sein? Jurist oder Jurist 2? Ich löse auf, ich bin es, Jurist 2.

Furchtbarer Jurist hat gesagt…

Aha. Ihr seid schwachsinnig. Besonders der zweite von euch.

Richter hat gesagt…

Ich heiße Richter und bin auch ein Richter

Rüdiger Fahrenschon hat gesagt…

Aufhören! Alle!

Christoph Teusche hat gesagt…

Rüdiger, diese Schwachmaten gehen mir auf den Keks. Ich habe die Nase gestrichen voll!

Rüdiger Fahrenschon hat gesagt…

Christoph, vielleicht sollten wir einfach unseren Büro-Wald roden und mit unserem Journalismus aufhören. Die Menschen verstehen uns einfach nicht, wird sind zu avantgardistisch. Außerdem steht der Winter vor der Tür, ich denke nicht, daß wir das überleben würden.

Rüdiger Fahrenschon hat gesagt…

Christoph, es ist Zeit zu gehen...

Rüdiger Fahrenschon hat gesagt…

Wo wir schon dabei sind, alles hinzuwerfen: Christoph Teusche heißt gar nicht Christoph Teusche. Er heißt Christopher Teusche.

Tacker Stiewens hat gesagt…

Na Hauptsache, keine "Ekel-haft". sfg

Christoph Teusche hat gesagt…

Aber Rüdiger, wir haben doch unser Winterquartier ...
Christopher Ortfried Teusche

Ulf Wekert hat gesagt…

Ist das jetzt wieder von Herrn Teusche geschrieben? Ich weiß echt nicht mehr, ob ich euch glauben soll oder doch.

KREMfreund_01 hat gesagt…

Ey les doch erst mal bevor du postest. Dein Text ist extrem sinnlos.

Ulf Wekert hat gesagt…

Kremfreund, wie (un)angenehm. Ich dachte, Sie seien tot.

KREMfreund_01 hat gesagt…

Das hätest du wohl gern.

Chrustoph Trusche hat gesagt…

Ich heiße Chrustoph Trusche, nicht Chritopher Teusche.

Christoph Teusche hat gesagt…

Schön für Sie.

Chrustoph Trusche hat gesagt…

Ich meine nur. Wie oft muß ich das noch erklären?

Christoph Teusche hat gesagt…

a) Sie haben es noch nie erklärt.
b) Sie brauchen es nie zu erklären, denn
c) mit Ihnen redet keiner.

Chrustoph Trusche hat gesagt…

Ich heiße übrigens Chrustopher Ortfried Trusche.

KREMfreund_01 hat gesagt…

alter Wayne...??

Chrustoph Trusche hat gesagt…

Wie meinen?

Christoph Teusche hat gesagt…

Er meint "Wen interessiert es" bzw. "Wayne interessiert es" (das ist englisch ausgesprochen ein ähnlich klingendes Wort). Das sagt mir meine Tochter Daniela auch immer, wenn ich ihr was von der Arbeit erzähle :-)

Rüdiger Fahrenschon hat gesagt…

Wo wir schon dabei sind, unsere ganzen Namen offen zu legen: Rüdiger Samuel Fahrenschon Junior.
Außerdem wurde ich schon 1949 geboren, nicht erst 1949 (es ist ein anderer Monat gemeint).

hat gesagt…

Dies ist kein Kommentar.

Lonely_Maurer_50 hat gesagt…

Ich habe ma ene Frage zu dem ersten Satz: Was hat der für die Geschichte zu bedeuten? Ich meine, den Insassen kann es ja egal sein, welches Wetter draußen herrscht. Um es mit einem Witz zu sagen: Die sehen schon lange keine "Sonne mehr".! Das war doch nur, um Zeilen zu schinden, hat man als Leser den EIndruck.

Rüdiger Fahrenschon hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Maurer,
ich werde selbstverständlich nicht auf Ihre Frage antworten.
Ich bin aber sehr glücklich darüber, daß endlich jemand die Geschichte zu kommentieren beginnt.

Für die Redaktion: rsf

Lonely_Maurer_50 hat gesagt…

Und? Warum jetz? Ich warte.

Rüdiger Fahrenschon hat gesagt…

Wie schon gesagt, ich werde nicht antworten!
Soll ich Sie vergraulen?

Handmann hat gesagt…

Was für eine Scheißredaktion. Könnt Ihr nicht mal auf normale Fragen antworten? Rodet mal euren "Bürowald"! XDXD

Jenny Uttke hat gesagt…

Ich finde "Jakob" und "Supermann" kommen äußerst sympathisch rüber. Um nicht zu "Zaghaft" verdonnert zu werden: Ich würde mit beiden gerne essen gehen, durchaus auch gleichzeitig.

Rüdiger Fahrenschon hat gesagt…

Sehr geehrte Uttke, falls man überhaupt Uttke zu Ihnen sagen kann.
Wollen Sie uns verarschen? Was bitte soll "Zaghaft" sein? Wollen Sie ernsthaft die Autorin unserer Geschichte verarschen? Noch ein Kommentar und wir werden Sie strafrechtlich angehen!

für die Redaktion: rsf

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