Freitag, 22. November 2013

Ritt ins Blau – Sechster Teil: Fargot Bölschner: Herbst

Herbst

Die Kühle macht rational.
Kein Platz für Herzelei
Im Grunde ist egal
Woran ich denk‘ dabei:
Bei Trübsal, Trauer, Schmerzgesang
Und herbstlich-herbem Sterbedrang.

Dieses Gedicht des Ausnahmetalents Fargot Bölschner ist mir jüngst über den Weg gelaufen. Es ist eins der fröhlicheren Werke des 2004 verstorbenen Künstlers. Bölschner litt zeit seines Lebens an Depressionen. Er versuchte, mithilfe selbstgebastelter lustiger Puppen davon loszukommen, ein Rat seines Psychologen. Ein besserer Weg war das Schreiben von Gedichten. In ellenlangen Balladen über phantastische Welten stürzte er sich und seine Leser in tiefe, faszinierende und nie gekannte Exzesse der Langeweile. Über die totale Abwesenheit von Spannung, ja Handlung, vergaß er seine seelischen Sorgen.
Allein die Krankheit konnte so nicht geheilt werden. Er unterzog sich einer langen und (seelisch) sehr schmerzvollen Therapie, in der vier quälende Gedichtbände erschienen, in der er u.a. die Artussage nacherzählte, jedoch die Protagonisten durch Haushaltsgeräte ersetzte, die durch ihre spezifischen Laute seiner Meinung nach den Intentionen der Sage am ehesten entsprechen. Es gelang tatsächlich, die Depression zu behandeln, Bölschner konnte die Klinik im Frühjahr 2004 verlassen. Da ihn die Frühlingsgefühle seiner Mitmenschen schon immer befremdet hatten, schrieb er ein Herbstgedicht, um damit seine Verachtung auszudrücken. Er gewann dadurch eine Fangemeinde Gleichgesinnter. Im August des Jahres dann geschah es: Bei einem Fantreffen kam es zu einem folgenreichen Zwischenfall, an der das Ausnahmetalent starb. Bei der Beerdigung erschienen Gäste.
In der Rückschau lässt sich Bölschners Werk in zwei Kategorien einteilen: Die trübsinnigen, die in der „großen Depression“ (so nannte er seine Depression) entstanden, und traurige, aber ironisch gemeinte, die das Ausnahmetalent nach seiner Heilung schrieb. Er schrieb außerdem Gedichte für Tiere und verwendete dafür die Pfoten diverser Tierarten. Der Gedichtband
, in dem keine Buchstaben vorkommen, ist sein absoluter Bestseller. Zu guter letzt erlaube ich mir zu dem oben angeführten Gedicht noch einen Satz: Während man sich in den ersten Zeilen im 19. Jahrhundert befindet, schlägt spätestens der „herbstlich-herbe Sterbedrang“ einen Bogen in die zweite Hälfte des 20.Jahrhunderts, wo zahlreiche Humoristen und Versfabrikanten durch mal mehr, mal weniger kunstvolle Komposition von Wörtern Satire schufen, indem sie mit Stilmitteln der Romantik spielten, diese aber ins Lächerliche zogen. Daß das Ausnahmetalent Bölschner diese Kamellen wieder aufgewärmt hat, ehrt ihn. Wir werden ihn nicht vergessen.

Literatur: Wutrich Meister: „Bölschners
in herrschaftskritischer Perspektive – Dominanzstrukturen der Tierlyrik“, Hurnson Verlag, Bad Fallingbostel 2012

Kommentare:

Werelin Göher hat gesagt…

ich hab auch noch ein gedicht:

wenn der KREM so weitermacht
dann wird er sehr laut ausgelacht

(zwei mal das ganze)

Adorf Hitrer hat gesagt…

Ich frag mich immer, was so "Trolle" hierher treibt, die nur stänkern wollen! So was hätte es früher nicht gegeben!

Jochen Kaputziner hat gesagt…

wie XD ist das denn mal ??? das ist ja sau lustig !!
wer steckt hinter dem KREM? ich kann mir kaum vorstellen, dass da gefühlt 100 leute ineiner waldredaktion (sick!) arbeiten. ihr seid doch bestimmt so ein paar hansel in dänemark oder so, daß würde die vielen dänemark-bezüge (nicht bettwäsche XD) erklären! außerdem!

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