Samstag, 29. November 2014

Der Kopf


Byrood hatte sich seine Kopfhaut ausgezogen. Er wollte „dynamisch fleischig“ daherkommen. Jetzt kam dieses Schreiben vom Verwaltungsapparat, er sollte am Montag in die Schyperbiusstraße kommen, hier war eine Zweigstelle des Amtes, das er aufsuchen sollte. Er war wahnsinnig aufgeregt. Er musste ja U-Bahn fahren, um zu dem Termin kommen zu können. Aber wie würden die Menschen in der Bahn auf seinen komplett entblößten Kopf reagieren.
Das Wochenende war ein Horror, er konnte nicht schlafen und nicht essen. Am Sonntag Abend las er ein Buch mit dem Titel „Der Kopf “, dann schlief er ein.

In der Nacht wachte er mehrfach auf, da die Frischhaltefolie, die er um seinen fleischig feuchten Schädel gewunden hatte, immer wieder zu jucken begann. Unentwegt fragte er sich, warum er seine Kopfhaut ausgezogen hatte, er verzweifelte. Doch genauso oft kam es ihm wieder in den Sinn. Er wusste genau warum. Er wickelte seinen Kopf aus, die alte Folie spülte er ab und legte sie auf einen Teller. Dann nahm er neue, er goss etwas Sirup hinein, das fühlte sich ja so gut für ihn an. Dann wickelte er sie wieder um den Kopf. Auch die restliche Nacht konnte er nicht besser schlafen.

Um 7:30 stand er auf. Als erstes glibschte er seinen Kopf, er versuchte seine Ohrlöcher vom Sirup zu befreien, was ihm nach einiger Zeit auch gelang. Mit einer Zahnbürste machte er feine Furchen in sein Kopffleisch, das gefiel ihm ja so gut, dann zog er sich an. Seine Kleidung war wirklich cool. Er besaß einen Anzug, auf dem Bilder seines Kopfes vor und nach der Enthäutung zu sehen waren. Zwischen den verschiedenen Stadien seines Kopfzustandes waren Pfeile mit der Unterschrift: „So häutet man sich heute.“

Nun musste Byrood zum U-Bahnhof.



Von Veit E. Mostrig (1967-2001)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Da stimmt ja mal wieder gar nichts! Toll, KREM!

Anonym hat gesagt…

Da musss ich Ihnen widersprechen! Bitte?

Besagter Kopf hat gesagt…

Das entspricht schon der Wahrheit. Leider :-(

Anonym hat gesagt…

Schlecht - schlechter - KREM <- Das spricht wohl für sich!

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