Direkt zum Hauptbereich

Der Kopf


Byrood hatte sich seine Kopfhaut ausgezogen. Er wollte „dynamisch fleischig“ daherkommen. Jetzt kam dieses Schreiben vom Verwaltungsapparat, er sollte am Montag in die Schyperbiusstraße kommen, hier war eine Zweigstelle des Amtes, das er aufsuchen sollte. Er war wahnsinnig aufgeregt. Er musste ja U-Bahn fahren, um zu dem Termin kommen zu können. Aber wie würden die Menschen in der Bahn auf seinen komplett entblößten Kopf reagieren.
Das Wochenende war ein Horror, er konnte nicht schlafen und nicht essen. Am Sonntag Abend las er ein Buch mit dem Titel „Der Kopf “, dann schlief er ein.

In der Nacht wachte er mehrfach auf, da die Frischhaltefolie, die er um seinen fleischig feuchten Schädel gewunden hatte, immer wieder zu jucken begann. Unentwegt fragte er sich, warum er seine Kopfhaut ausgezogen hatte, er verzweifelte. Doch genauso oft kam es ihm wieder in den Sinn. Er wusste genau warum. Er wickelte seinen Kopf aus, die alte Folie spülte er ab und legte sie auf einen Teller. Dann nahm er neue, er goss etwas Sirup hinein, das fühlte sich ja so gut für ihn an. Dann wickelte er sie wieder um den Kopf. Auch die restliche Nacht konnte er nicht besser schlafen.

Um 7:30 stand er auf. Als erstes glibschte er seinen Kopf, er versuchte seine Ohrlöcher vom Sirup zu befreien, was ihm nach einiger Zeit auch gelang. Mit einer Zahnbürste machte er feine Furchen in sein Kopffleisch, das gefiel ihm ja so gut, dann zog er sich an. Seine Kleidung war wirklich cool. Er besaß einen Anzug, auf dem Bilder seines Kopfes vor und nach der Enthäutung zu sehen waren. Zwischen den verschiedenen Stadien seines Kopfzustandes waren Pfeile mit der Unterschrift: „So häutet man sich heute.“

Nun musste Byrood zum U-Bahnhof.



Von Veit E. Mostrig (1967-2001)

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Da stimmt ja mal wieder gar nichts! Toll, KREM!
Anonym hat gesagt…
Da musss ich Ihnen widersprechen! Bitte?
Besagter Kopf hat gesagt…
Das entspricht schon der Wahrheit. Leider :-(
Anonym hat gesagt…
Schlecht - schlechter - KREM <- Das spricht wohl für sich!

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Gitarre

Am 17.02.2011 ging Walther Benarsky in Sölden zu dem Gitarrenbauer Franz Merten. Benarsky betrat den Laden, schaute sich ein wenig um, freute sich und schritt sodann zum Verkaufstresen: „Guten Tag, mein Name ist Benarsky, wir hatten telefoniert.“ Darauf der Gitarrenbauer: „Benarsky, Benarsky, genau, Benarsky! Tut mir leid, ich war gedanklich noch woanders. Genau, ich hole gleich mal ihre Gitarre, sie ist tatsächlich erst gestern Abend fertig geworden. Aber schön ist sie.“ Sodann verschwand er in einen kleinen Hinterraum. Er pfiff fröhlich die Melodie des Horst-Wessel-Liedes.

Zwei Jahre DER KREM

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kinder!
Es ist mir – davon bin ich überzeugt – eine Ehre, heute hier an meinem Computer zu sitzen und Ihnen diese Rede zu schreiben. Als technikaffiner Akademiker mit Do-it-yourself-Mentalität stehe ich dem Internet offen gegenüber. Mehr noch: Als Mensch ohne Migrationshintergrund bin ich (auch fachlich) interessiert, wie Informationsströme Grenzen überwinden und dabei soziale Prozesse auslösen. Damit nicht genug: Als besorgter Bürger mache ich mir Sorgen um unsere Sicherheit. Praktisch: Als gelernter Hubschrauberpilot kann ich Hubschrauber fliegen. Heute aber spreche ich zu Ihnen als der Techniksoziologe, der sich mit Leib und Seele der Techniksoziologie verschrieben hat. Gestatten, mein Name ist Kiter Verbel.

Ein Tag der Gotik

Bernd und Wumpe waren die ersten auf der Baustelle. Halb acht war gerade durch, beide frühstückten, die Sonne strahlte in den Rohbau des Kaufhauses. Die unverputzen Wände wie auch all die anderen unzähligen baustellentypischen Dinge rochen stark nach Unfertigkeit. „Es gibt hier noch viel zu tun!“, hätte über dem Szenario stehen können. Wumpe hatte soeben seine Stinkekäsestulle aufgegessen, da ging er vor die noch eingeschweißte Rolltreppe und stellte mit Entsetzen fest, wie häßlich er den gesamten Bau doch fand. Bernd verstand das nicht. Bernd verstand selten etwas. „Wieso häßlich?“, fragte er. „Naja, guck dir das doch mal alles an. Das sieht hier doch total nach Plastikschrott aus“, erwiderte Wumpe.