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Das Der KREMagazin – Oktober-Ausgabe: Der Mensch als Haus

Ignaz Kropesch ist 67 Jahre alt, strahlt aber dennoch eine satte Portion Jugendlichkeit aus. Er trägt einen rötlich blonden Stalinschnauzer und hat ein faltenloses, kinderhaftes Gesicht, das übergangslos in seine schimmernde Glatze mündet. Sobald er anfängt zu reden, beginnt er stets zu lächeln. Seine heitere Art führt er auf seinen tiefen Glauben zurück. Kropesch sitzt, während wir das Interview mit ihm führen, auf seinem neu angeschafften Plastikklappstuhl. Er ist ein sehr ruhiger und bedachter Mensch.
Dass ihn eine bedeutende deutsche Boulevardzeitung im Jahr 2015 als den „Quacksalber-Papst“ auf ihrem Titelblatt zu brandmarken versuchte, ist ihm ziemlich egal – Kropesch bezeichnet sich selbst als Arzt, er möchte von anderen gerne „Herr Doktor“, oder noch lieber „Herr Professor“ genannt werden. Doch Medizin hat er nie studiert. Er ist eigentlich Kunsthistoriker, er habe über die Architekturgeschichte zum Heilen gefunden. Das klingt paradox, das sagt er selbst. Doch wenn man ihn ausreden lasse, werde man ihn verstehen. Denn eigentlich arbeite ein Mediziner kaum anders als ein Denkmalschützer oder Handwerker, der Schäden an einem Haus ausbessert.

Ignaz Kropesch betreibt seit 1980 in Groß-Oelze (Weser) eine eigene Praxis, in der er „Heilungen nach dem Kropesch-Prinzip“ anbietet. Was dieses Prinzip auszeichnet, warum er den Menschen als Haus betrachtet und wieso das Gespräch eskalieren musste, das erfahren Sie in unserem Interview mit ihm.


KREMagazin: Herr Kropesch, schön haben Sie es hier in Groß-Oelze. (grinst und lacht)

Kropesch: Warum lachen und grinsen Sie?

KREMagazin: Entschuldigung … das hat nur damit zu tun, dass wir hier im trostlosen Groß-Oelze, im totesten Teil Niedersachsens sind. Und unser Witz, dass Sie es hier schön haben … da mussten wir einfach lachen.

Kropesch: Ah ja, einen guten Humor haben Sie, gefällt mir. (grinst und knurrt)

KREMagazin: Zurück zum Thema. Sie arbeiten als Mediziner, obwohl Sie nie Medizin studiert haben. Eigentlich sind Sie Kunsthistoriker. Warum arbeiten Sie dann nicht einfach als Kunsthistoriker?

Kropesch: Nun, wie Sie richtig festgestellt haben, komme ich aus der Kunstgeschichte. Was ich in meiner architekturgeschichtlichen Dissertation herausgefunden habe, das hat mich quasi dazu gezwungen, Mediziner zu werden. Ich verstehe mich einerseits als Wissenschaftler und andererseits, praktisch in der Konsequenz daraus, als Heiler … Arzt … Mediziner, wie auch immer Sie das nennen mögen.

KREMagazin: Dann erklären Sie uns doch bitte den wissenschaftlichen Unterbau Ihrer, mit Verlaub, obskuren Theorie. (grinst)

Kropesch: Na hören Sie mal. (lacht) Ach Quatsch, ich witzel‘ nur. Hier darf jeder seine Meinung sagen. Also … wo waren wir … richtig … im Jahr 1979 habe ich meine Diss. (Anm. d. Red.: Dissertation) mit dem Titel „Der Mensch als Haus – Parallelen biologischer und architektonischer Strukturen“ an der Universität eingereicht. Im Wesentlichen geht es darum, dass der menschliche Körper in seinen einzelnen Bereichen eine große Ähnlichkeit zu Gebäuden aufweist.

KREMagazin: Interessant. Aber können Sie das vielleicht noch ein bisschen ausführen?

Kropesch: Gerne. In meiner von der Universität nicht angenommenen Arbeit besteht die Grundannahme darin, dass es nicht zu übersehende Ähnlichkeiten zwischen Menschen und Häusern gibt. Betrachten wir zum Beispiel einmal den „Roten Haubarg“ in Nordfriesland. Dieses eindrucksvolle Gebäude aus dem 17. Jahrhundert sieht mit seiner großen klotzartigen Form und seinem Reetdach wie ein dicker Mann mit einer etwas ungepflegten Frisur aus. Gerade das Reet erinnert doch stark an menschliche Haare. Der Schluss in meiner Arbeit lautet an dieser Stelle: das Dach ist der Kopf, die Dachziegel oder etwa Reet oder Schieferplatten entsprechen der Frisur. Ich denke, dass meine Argumentation so bestechend ist, da sie der menschlichen Intuition in keiner Weise widerspricht.

KREMagazin: Das klingt wirklich bescheuert.

Kropesch: Warten Sie mit Ihrem Urteil, die Analogie geht weiter. Die Fenster sind die Augen, die Fensterläden sind die Augenlider, die Tür ist der Mund, das Fachwerk beziehungsweise das Stahlgerüst ist das menschliche Skelett, die Fassade ist die Haut, die Treppen sind die Blutbahnen. Muss man das wirklich weiter ausführen oder merken Sie inzwischen selbst, dass ich nicht falsch liegen kann?

KREMagazin: Nun ja, also in gewisser Weise…

Kropesch: …Ha! Da habe ich Sie!

KREMagazin: Jetzt warten Sie mal. Dass man manche Bauteile irgendwie in Beziehung setzen kann zu bestimmten Körperteilen ist doch nur Zufall. Ich könnte auch ein Pferd mit einem Fahrrad vergleichen. Dann wären die Reifen des Rades die Beine des Pferdes. Aber was ist mit diesem Vergleich gewonnen?

Kropesch: Herr Vagenicht, an dieser Stelle muss man weiterdenken. Die reine Feststellung bringt an und für sich in der Tat keinem etwas. Jedoch ist sie der erste Schritt, um den Menschen auf eine ganz andere Weise zu verstehen.

KREMagazin: Und zwar wie?

Kropesch: Als das, was er ist. Als Organismus, der, wenn er frisch errichtet ist, am besten funktioniert. Der aber auch verrotten kann, wenn er alt wird, und den man ständig in Schuss halten sollte.

KREMagazin: Herr Kropesch, wir haben schon viele unerträgliche Gestalten hier beim KREM gehabt, aber das, was Sie hier erzählen, ist an Blödheit wirklich kaum zu überbieten.


Möchten Sie weiter mit mir sprechen oder wollen wir vielleicht besser an dieser Stelle aufhören?


Kropesch: Lieber Herr Vagenicht, das Gespräch bewegt sich gerade in eine Richtung, die mir gar nicht zusagt. Möchten Sie weiter mit mir sprechen oder wollen wir vielleicht besser an dieser Stelle aufhören?

KREMagazin: Da ich dazu verpflichtet bin, dieses Interview abzuliefern, wäre es mir ganz lieb, wenn wir das Gespräch noch zu Ende bringen könnten.

Kropesch: Naja gut, dann machen wir das mal. Sie sind wahrscheinlich einfach etwas gestresst, Herr Vagenicht, stimmt’s? (grinst)

KREMagazin: Herr Kropesch, davon abgesehen, dass es Sie ja mal gar nichts angeht, wie es um meine Gesundheit bestellt ist, bitte ich Sie, nicht immer zu grinsen. Kriegen Sie das hin?

Kropesch: Yes, Sir! (lacht, grinst und knurrt)

KREMagazin: Okay, dieser Typ ist mir einfach zu ekelig. Ich möchte gerne abbrechen.

Anmerkung der Redaktion: Friedemann Vagenicht wird entkabelt und verlässt zügig den Raum. Rüdiger Fahrenschon setzt sich, bekommt ein Mikrofon angesteckt und setzt das Interview fort.

KREMagazin: Herr Kropesch, ich weiß nicht, was mit Herrn Vagenicht los ist. Entschuldigen Sie bitte sein unprofessionelles Verhalten. Meiner Meinung nach geht das gar nicht. Ich verspreche Ihnen, das wird Konsequenzen haben.

Kropesch: Ach was, der Herr Vagenicht ist noch jung, haben Sie Nachsicht, vielleicht läuft’s bei ihm im Privatleben gerade nicht so rund.

KREMagazin: Lassen Sie das man meine Sorge sein, er wird die volle Härte des KREMs zu spüren bekommen. Wir handhaben das hier immer so. Aber lassen Sie uns bitte über Sie sprechen. Nachdem Sie die Grundthesen ihrer nicht angenommenen Dissertation (lacht) referiert haben, sollten Sie bitte noch vom Kropesch-Prinzip erzählen.


Lassen Sie uns nach dem Gespräch noch ein Bier trinken.


Kropesch: Sie finden lustig, dass meine Dissertation nicht angenommen wurde? Humor hat der Mann. Lassen Sie uns nach dem Gespräch noch ein Bier trinken.

KREMagazin: Gerne. Aber erzählen Sie uns doch bitte noch kurz von ihrer Heilmethode.

Kropesch: Um ehrlich zu sein, würde ich gerne nichts Weiteres dazu sagen. Seit kurzem befinde ich mich in einem Prozess, in dem das Kropesch-Prinzip der Hauptgegenstand ist. So eine saublöde Sammelklage ist das … naja … soviel kann ich dazu schon sagen: 762 Personen bezichtigen mich der schweren und gefährlichen Körperverletzung. Ich denke, mehr sollte ich jetzt aber nicht erzählen. (grinst)

KREMagazin: Warum hat mir keiner gesagt, dass wir hier so einen Irren haben?

Kropesch: Na gut, eine kleine, etwas konkretere Einzelheit kann ich über meine Methode schon noch Preis geben.

KREMagazin: Ich bin gespannt. (macht ein angsterfülltes Gesicht)

Kropesch: Es ist ja nun mal so, dass manche Häuser leider abgerissen werden müssen. Da kann man nichts mehr reparieren und auch Bauteile austauschen bringt nichts mehr, da muss man abreißen. Zum Beispiel, wenn das gesamte Baumaterial billig hergestellt und verfallen oder schon sehr alt und verrottet ist. Denken Sie etwa an Hausschwamm. In diesem Fall spreche ich von „endgültig mangelhafter Bausubstanz“. Viele meiner ehemaligen Patienten und jetzigen Kläger wiesen meiner Meinung nach solche „endgültig mangelhafte Bausubstanz“ auf. Herr Fahrenschon, Sie wissen, wie man Häuser abreißt? Mit dem Bagger, mit der Abrissbirne, und was es da noch so für Methoden gibt. Da ich meine Patienten genau wie Häuser behandelt habe, Stichwort „der Mensch als Haus“, können Sie sich jetzt vielleicht etwas besser vorstellen, warum ich zum Thema Kropesch-Prinzip schweigen sollte … nun, soviel will ich zum Schluss dann doch noch sagen: Haben Sie schon mal einen Menschen mit einer Abrissbirne bearbeitet? Haben Sie das, Herr Fahrenschon? (grinst und knurrt)

KREMagazin: Ich will hier weg!

Anmerkung der Redaktion: Rüdiger Fahrenschon nimmt schnell sein Mikrofon ab und eilt zur Tür hinaus.

Kropesch: Tschüs! Bis bald mal!


Das Gespräch führten Friedemann Vagenicht und Rüdiger Fahrenschon






Kommentare

Anonym hat gesagt…
Boah, warum interviewt ihr diese miese Type?!? Ich kenn den. Ich bin an den geraten, als es mir echt mies ging. Der hat mir mein ganzes Geld aus der Tasche gezogen und mich immer als Plattenbau bezeichnet.

Ich bin echt enttäuscht von euch! Deabo und Daumen runter!
Rüdiger Fahrenschon hat gesagt…
Gegenfrage: Warum lassen Sie uns nicht einfach unsere Arbeit machen? Wir sind Journalisten und an verschiedenen Meinungen und Lebensentwürfen interessiert.
Maria Gutbrecht hat gesagt…
@Fahrenschon: Passen Sie mal auf, dass kein Shitstorm über Sie hereinbricht! Das könnte ekelig werden.
Rüdiger Fahrenschon hat gesagt…
@Maria Gutbrecht: Was soll das? Sie tun alle so, als hätten wir keine Meinung bzw. eine zu positive Meinung zu Herrn Kropesch. Wir haben uns klar positioniert. Der Kollege Vagenicht hat sich angeekelt von Herrn Kropesch entfernt und ich bin in Todesangst vor diesem kranken Menschen geflohen. All das können Sie in unserem Interview ungekürzt nachlesen.

Schalten Sie alle mal ihr verdammtes Gehirn ein, bevor Sie uns kritisieren!

Herzlichst, Rüdig.Fahre. (so werde ich mich zukünftig immer abkürzen)
Christoph Teusche hat gesagt…
Mannomann, was für eine kranke Geschichte!
Anonym hat gesagt…
Ganz ehrlich. So nen Typ verdient keinen Respekt, sondern die Todesstrafe! Meiner Meinung nach!
Prollon Maksimo hat gesagt…
Den Typen kenne ich. Er war in der Fußgängerzone und beschwor Passanten mantraartig: "Haben Sie schon mal einen Menschen mit einer Abrissbirne bearbeitet? Haben Sie? Nun sagen Sie schon?" So ein kranker Scheiß.
Weronyka Werschtonska hat gesagt…
Also meinem, Mann hat er, geholfen! Er litt an Kurzatmigkeit. Jetzt ist er tot. Aber das lag nicht an Dr. Kropesch. Ich habe ihn, getötet.
DKB invest hat gesagt…
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Anonym hat gesagt…
Äh Weronyka, ich habe gerade die Pozilei alamiert. Sowas sollte man besser nicht öffentlich ausplaudern.
Ravael von der Gallé hat gesagt…
Leute, ich hatte heute eine Promibegegnung!! ich war im aquarium eberswalde. ratet wer mir da über den weg läuft. genau, christoph teusche!!! der war total verstört und hat die ganze mit sich selbst gesprochen und immer gesagt "scheiß fische, scheiß fische" irgendwann kam der sicherheitsmann und hat ihn sehr rabiat rausgeschmissen. lol. kann er sich bitte dazu äußern???? ich bin 100prozent sicher, das er es war!!
Rüdiger Fahrenschon hat gesagt…
Ich habe eben nochmal mit dem Kollegen Vagenicht über das Interview gesprochen. Wir haben uns entschieden, dass wir zukünftig etwas seriösere Menschen interviewen werden. Ich will ich aber nochmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass Das Der KREMagazin eigentlich davon lebt, dass wir fragwürdige Personen interviewen.
Christoph Teusche hat gesagt…
Hallo, Ravael! Wie geht's? Was setzt du denn hier für Behauptungen in die Welt? Es gibt in Eberswalde gar kein Aquarium! Grüß mal Yvonne und Markus ganz lieb!
Ravael von der Gallé hat gesagt…
Hallo Christoph; echt cool, das du sofort anwortest! :P Wen meinst aber bitte schön mit yvonne und markus? Meinst du meine zwei besten freunde markus und yvonne, die die ich vorhin dabei hatte, als ich dich gesehen habe? die grüße sind schon unterwegs. btw wir vermissen dich im ornithologen-club. du hast ja letzte woche leider schon die kranich-tour nach nauen verpasst, kommst du am sonntag?

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