Freitag, 30. Januar 2015

Ritt ins Blau – Zwölfter Teil: Armin von Arnim: Der Spaziergänger.

Es klirret und es schneit, der Mann geht langsam weiter,
die Schritte knirschen laut, er blickt auf einen Platz.
Dort fressen Rehe Gras, es brüllet laut der Spatz.
Der Mann sieht sich nicht um, da prescht vorbei ein Reiter

Das Pferd bleibt plötzlich steh‘n, man hört den Reiter fluchen,
die Buche ächzt im Wind, es knarret das Geäst,
der Hase springt geschwind, als er den Bau verläßt.
Es gibt hier viel Getier, man muß es sich nur suchen.



So ist in dieser Welt nichts schöner als ein Wald,
weil in der kalten Ruh des Wildes Ruf erschallt.
So geht der Lebenslauf des Mannes in dem Walde.

Wir leben viel zu kurz, Genuß ist hohes Gut,
der Wald ist uns ein Trost in unsrer Lebensflut!
Der Frieden ist schon da, die Stille kommet balde.


Ich weiß, was Sie jetzt sagen werden: Wie kann ein Gedicht wie dieses von einer Ikone der spätbarocken Dichtkunst wie Armin von Arnim kommen? Vielleicht fragen Sie sich aber auch: Wer war noch mal Armin von Arnim? Sie haben beide recht, denn von Arnim hat natürlich oft unter Pseudonym geschrieben. Dieser „arme, alte Mann“ (Ratgeber Pflegestufe III, Bundes-ministerium für Familie, Frauen und so) hatte es nicht leicht in seinem Leben. Da er unter Pseudoym lebte, mithin auch seinem engsten Bekannten- und Verwandtenkreis nur unter Pseudonym bekannt war, wissen wir so gut wie nichts über ihn. Typisch für einen Mann wie ihn wäre es aber gewesen, z.B. ein Krönungsgedicht für einen der zahlreichen deutschsprachigen (bzw. -sprechenden) Regenten seiner Zeit zu schreiben. Er könnte regelrecht ein Hofdichter gewesen sein. Ein Herrscher, sagen wir von Böhmen, hätte ihm das halbe Königreich versprechen können (inkl. Königstochter), er hätte nur das für die damalige Zeit ultimative Gedicht verfassen sollen. Schade, daß stattdessen nur obiges Sonett überliefert ist. Damals ging es in Gedichten um den Tod (wegen des zurückliegenden Krieges). Andere Themen kamen eher nicht vor. Dies spiegelt sich auch (teilweise) in dem vorliegenden Gedicht wider. Wir in der Redaktion nehmen an, daß es sich um ein Lehrgedicht handelt, in dem von Arnim das Prinzip des Sonetts erläutert, ohne jedoch auf Inhalt und Stil zu achten. Zwar sind keine anderen Werke überliefert (siehe Namensproblematik), aber wie hätte der Dichterfürst (Zuschreibung des Verfassers) ohne Talent Hofdichter werden sollen?
So schließt sich der Kreis.

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