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Ritt ins Blau – dreizehnter Teil: Junia Brannt: Vokalgedicht

Ich bin so stolz: Meine Enkelin hat ihr erstes Gedicht geschrieben! Sie wird im Juni (daher der Name) 18. In Ihrer Abiturprüfung sollte sie ein Gedicht analysieren, und da sie, mit der Aufgabe völlig unterfordert, schnell fertig war, konnte sie nebenbei noch etwas eigenes kreieren. Das ist meine Enkelin! Ich will sie jetzt gar nicht weiter stören, lesen Sie lieber das Gedicht! Wie Ihnen vielleicht auffällt, fangen alle Wörter mit einem Selbstlaut (Vokal) an. Und nicht nur das: In einer Reihe sind auch noch alle Anfangsbuchstaben gleich! Aber jetzt wirklich Schluß mit dem Geschreibe. Manege frei für Junia!


Vokalgedicht
Alle aber antworteten: Ach,
Erich, entwickel‘ eine Eissorte! Entbrannt
in inniger Inbrunst, interessierte ihn,
ob Orange oder Obstkuchen
untergemischt unter Umständen
etwas Exquisites ergäben.
Inzwischen ißt immer irgendwer irgendwo
ob Odessa, Offenbach oder Osaka –
Anis-, Ananas-, auch Apfeleis aus Angeboten
unseres unsteten Umfeldfreunds.

Nachtrag: Ich gebe, zu, ich habe das Gedicht möglicherweise in etwas zu positiven Tönen dargestellt. Sehen Sie es mir nach, immerhin ist es aus der “Familie“. Beim vierten Lesen sind mir doch ein paar sprachliche „Schnitzer“ aufgefallen. Meine Gesamteindruck wird auch dadurch getrübt, daß meine Enkelchen durch die Abiturprüfung gefallen ist. Es stellt sich heraus, daß sie das Gedicht nicht nach der Absolvierung der Prüfung verfasste, sondern stattdessen. Jetzt wird sie wohl so enden wie das Gros unserer Leser – nehmen Sie es mir nicht übel.

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