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In einem Leuchtturm, Teil V

„Lieber Michael, wie geht’s? Wenn du das liest, hattest du keinen Motor, denn du bist die gleiche Richtung getrieben wie diese Flasche. Du bist quasi die personifizierte Flasche, also im Positiven. So, jetzt wissen wir schon mal, daß du irgendwo bist, wo die Strömung hinführt. Die zweite Frage ist, wo das genau das ist. Hast du eine Idee, wie man das rausfinden könnte?
Tja, also ich bin am Überlegen, aber mir fällt nicht so recht etwas ein. Du könntest auch tot sein! Dann hätte dieser Brief nicht so viel Sinn. Tja, man sieht sich.
Bernd.“

Fassungslos besah Michael das Stück Papier. Das war die Botschaft von Bernd? Das war alles? Er drehte das Blatt um, dort stand aber nichts. Er schaute in die Flasche, und tatsächlich fand er dort noch einen kleinen Zettel. Dem Datum war zu entnehmen, daß er später geschrieben worden war.

„P.S. Heute ist deine Flaschenpost angekommen. Die Jungs von der Spurensicherung haben gesagt, sie hätten eine Ahnung, wo du bist, aber sie müßten erst „was ausprobieren“, um sicher zu gehen. Dann haben sie es ausprobiert und jetzt sucht man nach dir. Also bis bald!“

Diese Botschaft elektrisierte Michael. Er wollte vorbereitet sein für den Moment seiner Rettung. Zunächst mußte er aufräumen, das sah ja aus hier! Er scheuchte die Möwen weg, woraufhin sie ihn attackierten und ihm Wunden beibrachten. Daraufhin baute er ihnen ein ansprechendes Freigehege, so daß sie ihn auf seinem Teil der Insel in Ruhe ließen. Daß er da nicht eher drauf gekommen war! Nachdem er aufgeräumt hatte, setzte er sich an den Strand. Dann wartete er. Nach einer Stunde machte er eine kurze Pause, dann wartete er wieder. Danach wartete er noch ein bißchen, dann, beim Abendessen, wartete er noch mal etwas länger. Irgendwann, er hatte erneut gewartet, wurde er langsam ungeduldig. Er besah sich den Zettel von Bernd und sah das Datum. Das Papier war zwei Tage alt. So weit konnte er also nicht vom Leuchtturm weg sein. Nachdem er noch ein bißchen gewartet hatte, ging er ins Bett.
Er wurde von einer menschlichen Stimme geweckt. „Na mach schon!“ „Da ist nichts.“ „Wie, das kann gar nicht sein!“ Er wachte auf. Männer mit schmutzigen Westen standen auf der Insel, sie hatten ihm den Rücken zugewandt. Freudig sprang er hoch. „Da sind Sie ja bereits! Ein Glück, ich hätte es hier keine Sekunde länger ausgehalten!“ Die Männer fuhren herum und wechselten vielsagende Blicke. „Was machen Sie hier“, fragte einer von ihnen. „Sie machen mir Spaß! Ich bin hier gestrandet, das wissen Sie doch! Deswegen sind Sie doch hier, oder nicht?“ Wieder wechselten die Männer vielsagende Blicke. „Ja … natürlich, deswegen sind wir hier, weswegen sollten wir sonst hier sein?“ „Und wo ist ihr Schiff? Oder sind Sie mit dem Helikopter hier?“ „Mal ganz langsam, junger Mann. Die Fragen stellen wir. Also: Wie kommen Sie hierher?“ „Mann, das wissen Sie doch, ich bin auf der Leuchtturminsel ins Wasser gefallen. Und dann bin ich abgetrieben. Und dann habe ich mir ein Boot gebaut. Und dann bin ich hier gestrandet. Und dann habe ich mir hier meine kleine Existenz aufgebaut. Soll ich das jetzt alles aufgeben? Ich meine, ja, natürlich, ich will das alles aufgeben, ich will ja gerettet werden. Und jetzt kommen Sie!“ „Ja, also wir sind hier, um Sie zu retten, wie Sie ja schon gesagt haben. Wir wußten gleich, daß Sie hier sind. Also haben wir …“ „Sie wußten von Anfang an, daß ich hier bin? Warum sind Sie dann erst jetzt hier?“ „Nein, das habe ich doch nur so dahingesagt, also wir haben es geahnt, daß Sie wahrscheinlich hier sind. Und jetzt werden Sie gerettet. Kommen Sie mit!“ Sie stiegen in ein Schlauchboot, daß einen kyrillischen Namen trug. Zwei Männer trugen eine Truhe heran und stellten sie in das Boot. Dann stiegen sie auch ein. Das Boot legte ab.
„Was ist in der Truhe?“ fragte Michael. „Und warum wußte ich nichts von ihr? Immerhin war ich eine Weile auf der Insel, die man nun wirklich nicht groß nennen kann.“ „Tja, wenn man nicht weiß, daß sie da ist, dann findet man sie auch nicht. Also, weil dann sucht man sie ja auch nicht.“
„Und was ist drin?“
„Das wirst du schon noch früh genug erfahren.“
„Wann denn?“
„Naja … Äh … früh genug. Also, von mir aus können wir es dir auch ...“ „Nein, wir können dir den Inhalt leider nicht zeigen!“, zischte nun ein anderer dazwischen. „Es ist besser, du schläfst jetzt. Du mußt müde sein!“ „Eigentlich bin ich gerade aufgestanden. Und wir sind ja bald auch auf dem Festland.“
„ ...“
„Jetzt habt ihr euch schon wieder vielsagende Blicke zugeworfen. Gebt zu, ihr seid gar nicht meinetwegen gekommen, sondern ...“ – Michael zeigte auf die Truhe – „... deswegen!“ „Nein, nein, nein!“, sagte wieder der erste. „Jetzt beruhige dich mal. Wir sind hier, weil wir auf der Suche nach Überlebenden waren, und sind froh, daß wir dich gefunden haben. Und jetzt können wir dir es ja auch sagen: In der Truhe ist der Flugschreiber!“ „Wieso Flugschreiber? Was für Überlebende? Wovon redet ihr denn? Ich bin doch nicht abgestürzt! Ich habe euch doch gerade erzählt, wo ich herkomme.“ „Ja, natürlich, das … wußten wir ja auch.“, stammelte der erste wieder. „Wir … wir wollten dich testen!“ „Hm, ob ich ihnen trauen kann?“, dachte Michael laut, „sie scheinen ja nett zu sein, aber irgend was verbergen sie vor mir.“ „Zum Glück hat das keiner gehört!“, antwortete der Mann mit blutverschmierten Stiefeln, die Michael jetzt erst auffielen. „Na gut, ich höre schon Stimmen, ich lege mich doch mal schlafen.“, sagte Michael und drehte sich von den Männern weg. In dem Moment schlug ihn einer der Männer, der bisher gar nicht geredet hatte, mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf, und Michael sackte weg. „Den habe ich schlafen gelegt“, brummte er zufrieden. „Aber Ole, der wollte doch eh gerade schlafen gehen!“ „Mann, zu dumm!“, entgegnete Ole. „Er hat einfach zu viele Fragen gestellt“, verteidigte jemand, der Mathis hieß, Oles Aktion. Dann sprachen sie nicht mehr darüber und spielten Karten.

Kommentare

Rond Freibremmer hat gesagt…
Wie geht es wohl weiter? Wir fiebern alle mit! Was sind das für böse Menschen? Was ist in der Truhe? Bekommt unser Protagonist es wirklich noch "früh genug" mit?
Qualitätsfeuerwehr hat gesagt…
Teusche ist gar nicht mal so cool. Teusche ist ein Tunichtgut. Teusche behrerrscht weder Groß- noch Kleinschreibung. Teusche versucht nur vieles, bringt aber wenig wirklich zuende.
Wohlfühlfunktion hat gesagt…
Hey, jetzt komm mal wieder runter! Du bist so böse böse!
Rüdiger Fahrenschon hat gesagt…
Weshalb kommentieren ausschließlich Wahnsinnige beim KREM?
Qualitätsfeuerwehr hat gesagt…
Weil Fahrenschon und Teusche zwei Penner sind. Deshalb!

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