Samstag, 16. August 2014

Das Der KREMagazin – August-Ausgabe: Bettler sein und drüber reden

Ich treffe Adolf1 – ja, er heißt wirklich Adolf, man stelle es sich vor!2 – in einer Fußgängerzone in Lyon3. Er ist Bettler. Mir stellt er sich jedoch … ach nee, er stellt sich mir als Bettler vor, alles in Ordnung. Wir haben uns verabredet, damit ich ihm einen Tag bei seinem „Beruf“ über die Schulter gucken kann. Er sitzt auf einer Decke neben dem Eingang eines Elektronikfachmarktes. Einen Hut hat er vor sich hingelegt, mit der Öffnung nach oben. Hat etwas Geld hineingesteckt, als Anreiz für die Passanten, wie er mir erklärt. Manch einer wirft etwas hinein, es sind nicht viele, aber am Abend hat Adolf immerhin genug zum Überleben. „Man kommt über die Runden“, meint er.
Es passiert nicht viel. Die Leute gehen vorüber, würdigen ihn meist keines Blickes. Er wird auch nicht angefeindet oder verjagt. Es passiert auch sonst nichts Erwähnenswertes auf der Straße. Langsam frage ich mich, ob es eine gute Idee war, einen ganzen Tag dabei zu sein. Im Grunde weiß ich schon nach zehn Minuten nicht mehr, was ich noch schreiben soll. Ich frage Adolf, ob er nicht mal was „Lustiges“ machen wolle, natürlich ganz ungezwungen, es müsse ja authentisch wirken. Ich biete an, ihm Alkohol zu kaufen, falls er sich Mut antrinken wolle. Doch er winkt ab. Müde wirkt er und gelangweilt vom Leben. Gelangweilt bin auch ich, um ehrlich zu sein. Nach zwei Stunden breche ich das Experiment ab. Bettler zu sein ist sehr langweilig.
Nach zwei Monaten besinne ich mich eines Besseren: Der Text ist ja schon mal da, und durch Nichtveröffentlichung bekomme ich die Reisekosten erst recht nicht rein. Also lade ich Adolf in die Redaktion ein, zu einem Interview.

KREMAGAZIN: Adolf, schön, daß Sie gekommen sind. Wie war die Reise?

Adolf: Sagen wir mal, sie hat sich gelohnt.

KREMAGAZIN: Das verstehe ich nicht.

Adolf: Nun, ich habe die Reisenden etwas „erleichtert“. Aber mehr werde ich dazu nicht sagen.

KREMAGAZIN: Nee, also dafür haben wir Sie aber nicht eingeladen. Raus mit der Sprache!

Adolf: Mensch, ich habe die Mitreisenden beklaut.

KREMAGAZIN: Ach so … Ach so! Darum wollten Sie auch … Verstehe. Ich! Idiot! Äh … Also, zur ersten Frage: Haben Sie so etwas wie ein Motto?

Adolf: Bisher nicht.

KREMAGAZIN: Was würde denn zu Ihnen passen?

Adolf: Vielleicht „Das kann ich morgen noch erledigen!“

KREMAGAZIN: Verstehe. Also sind Sie ein Faulenzer?

Adolf: Nein, wieso?

KREMAGAZIN: Naja, bei dem Motto, das heißt quasi, ich strecke heute die Beine aus …

Adolf: Eigentlich meinte ich damit, daß ich mir Mut zurede, daß ich morgen noch am Leben bin.

KREMAGAZIN: Ach so … Ups …

Adolf beschließt, das Interview nur noch mit einem Anwalt fortzusetzen. Widerwillig tun wir ihm den Gefallen.

KREMAGAZIN: Wie sind denn ungefähr Ihre Einnahmen im Monat?

Lorschitz: Darauf müssen Sie nicht antworten!

Adolf: Darauf muß ich nicht antworten.

KREMAGAZIN: Na gut! Wie sind Sie denn Bettler geworden, war das eine Bauchentscheidung oder …

Lorschitz: Ich an Ihrer Stelle würde eine andere Frage stellen!

KREMAGAZIN: Verstehe … Und was machen Sie so?

Lorschitz: Ich?

KREMAGAZIN: Ja …

Lorschitz: Ich bin Sozialanwalt. Habe letztes Jahr mein zweites Staatsexamen abgelegt und leider noch keine Kanzlei gefunden, daher betreue ich so hoffnungslose Fälle wie … (er blickt verschwörerisch zu Adolf hinüber).

KREMAGAZIN: Wie sind Sie denn Sozialanwalt geworden? War das so eine Bauchentscheidung oder …

Lorschitz: Nee, das war eine Bauchentscheidung, wie Sie sagen, ja!

KREMAGAZIN: Aha. Und wieviel verdienen Sie so im Monat?

Lorschitz: Naja, von verdienen kann im Moment noch nicht die Rede sein, ich habe ja auch immense Schulden, die ich abzahlen muß …

KREMAGAZIN: Herr Lorschitz, wir danken Ihnen für das Gespräch!

1Name von der Redaktion NICHT geändert.
2Spott von der Redaktion bereut.
3Name von der Redaktion geändert.

Kommentare:

Gerda Batman hat gesagt…

Laaaaaaaaaaaaaangweilig! Ich würde lieber Urlaubsbilder von der Betriebs-Odyssee sehen!

Hansa Rostow hat gesagt…

Oder Katzenbilder!

Gerda Batman hat gesagt…

Nein, wie kommen Sie darauf?

Hansa Rostow hat gesagt…

Katzen sind voll süüüüüüüüüüüüüüss!

Gerda Batman hat gesagt…

ICH habe das mit dem langgezogenenen Vokal erfunden, und du machst es einfach nach!

Berol Ünep hat gesagt…

Darauf, hast du bestimmt kein, Patent?

Herta Keller hat gesagt…

Doch, hat sie! Es ist verboten, langgezogene Vokale zu verwenden, wenn nicht vorher ein Nutzungsentgelt dafür gezahlt wurde!

Otto Breichsacher hat gesagt…

Das kann ich bestätigen.

Ulf Weutzig hat gesagt…

Angesichts der neuen Ergüsse im Kommentarbereich überlegen wir, die Kommentarfunktion abzuschaffen. Was denken Sie darüber, liebe Leser/*_Innen/?

Hansa Rostow hat gesagt…

Endlich!

Herta Keller hat gesagt…

Das wäre ein großer Qualitätssprung für den KREM!

Gerda Batman hat gesagt…

Das ist so was von überfällig!

Christoph Teusche hat gesagt…

Hier wird gar nichts abgeschaltet! Der Kommentarbereich ist das einzige, das uns mit unserem Leser verbindet! Hier kann auch mal auf den "Tisch" gehauen werden. Wenn uns das verlorengeht, stehen wir da. Das ist der Herr Weutzig, wie man ihn kennt. Immer frei von der Leber weg, ohne sich um Hierarchien zu kümmern. Betrachten Sie das als Abmahnung!

Ulf Weutzig hat gesagt…

Sieh an, wer da aus seinem Führerbunker gekrochen kommt! XD

Unbeteilligter Dritter hat gesagt…

Er wird ja wohl mal eine Idee äußern dürfen! Wenn Sie derart mit Ihren Kollegen umspringen, werden Sie nicht viel Freude an Ihnen haben.

Christoph Teusche hat gesagt…

Es sind keine Kollegen, sondern UNTERGEBENE! Und ich bin der ÜBER-, also der OBERGEBENE! Ich gebe hier das Kommando!

Luise Kahrig hat gesagt…

Herr Teusche, ist das Ihr Ernst? Ist das Ihr Selbstverständnis als Erster Leitender Chefredakteur?

Christoph Teusche hat gesagt…

Jetzt hören Sie mir mal zu: Ich habe aus einem kleinen Rollschuhladen, das das hier mal war, ein schlagkräftiges, meinungsstarkes und rechercheschwaches Online-Magazin aufgebaut. Und das lasse ich mir von irgendwelchen legasthenischen, selbstherrlichen Möchtegernredakteuren kaputtmachen!

Christoph Teusche hat gesagt…

*nicht kaputtmachen ;)

Dietmar Gabler. hat gesagt…

Die neue Schriftart der Überschrift ist scheissse.

Martin Luppar hat gesagt…

Ihr Sauhunde schreckt ja nichtmal mehr davor zurück, unsere Obdachlosen zu belästigen, nur um CA$H zu machen. Schaut her, ich spucke auf euch!

Martin Luppar hat gesagt…

Für alle, die es noch nicht wissen: Cristoph Teusche ist ein KACKIMANN !!!!!!!

Egge Landgren hat gesagt…

Ihr redet so schön. Macht weiter in diese Richtung.
Wir in Schweden essen gerne Brei aus zerhacktem Tier, so bin ich zum KREM gekommen. Und was finde ich? Menschen die schön reden. Es hat sich alles gelohnt! Danke

Richard-Zeitung hat gesagt…

Das ging ja mal "voll nach hintel" los, mit dem Interview.
Lernt mal, wie man wahren Journalismus macht.

Mathias Knefel hat gesagt…

@Dietmar Gabler: Die aussage ist nicht belegbar!

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