Samstag, 14. Februar 2015

Die Mär vom Steuer-Mann (5/6)

Also machte sich Joachim an die Arbeit. Er berechnete, er schickte Schätzer durch das Land, die das Volk zählen und Besitzstände erfassen sollten, er fertigte Lohnverteilungskurven und viele weitere Diagramme an, und nicht zuletzt dachte er an die Öffentlichkeitsarbeit. Marktschreier wurden engagiert, um den Menschen das Steuersystem zu erklären.
Eines Tages machte dem König der Herzog von Jerichow die Aufwartung. Der Diener kündigte ihn, wie üblich bei Besuchern dieses Ranges auf französisch, an. „Votre Majesté, Son Altesse le duc Treuchtemil de Jerichó!“
„Eure Majestät, wie jugendlich Euer Antlitz dieser Tage wieder ist! Man könnte meinen, Ihr würdet nicht älter, sondern, einem Zauberwesen gleich, verjüngtet Ihr euch zu jedem Tag, jeder Stunde, jeder Minute ...“ „Herzog Treuchtemil, welch seltene Ehre! Was führt Euch zu mir?“
„Nun, als Fürsprecher im Hohen Rat der Ehrwürdigsten Ständeversammlung des Landes obliegt es mir, Eure Majestät von einem Ratschluß desselben in Kenntnis zu setzen, der sich mit der überaus weisen Entscheidung Eurer Hoheit zu beschäftigen hatte, die Steuern des Landes auf eine höchst gütliche Weise einer neuen Ordnung zu unterwerfen.“
„Ich bin ganz Ohr. Wie lautet der Ratschluß, ehrenwerter Mann?“
„Nun, zuallererst ist es mir eine Genugtuung, Eurer Majestät die vollumfängliche Unterstützung dieses weisen Unterfangens seitens des Hohen Rates auszurichten. Allein, im Detail offenbarten sich durchaus einige, von Euch gewiß gänzlich unbeabsichtigte Konsequenzen, die durch wenige unbedeutende Veränderungen auszumerzen sind und das ganze Gesetz noch vorzüglicher machten.“
„So sprecht denn: Um welche Details handelt es sich?“
Nun, wie Ihr wißt, ist der Adel das „edle Geschlecht“. Wir glauben, wir seien gottgewollt bessergestellt als die armen, schlechten Menschen! Dies führt uns zu der Überlegung, daß eine Steuerzahlung, wie sie für gewöhnliche Menschen durchaus angemessen ist, für den Adel nicht infrage kommen kann! Seht, Eure Hoheit, ohne den Adel wäre dieses Land – mit Verlaub – nicht das, was es jetzt ist. Wir bitten Euch, die Abgabenordnung nicht auf uns Adlige auszuweiten, denn dies konterkarierte den natürlichen Lauf der Dinge!“
„Verehrter Treuchtemil, Euern Einwand in allen Ehren, jedoch gestattet mir, von meiner Regierungsgewalt ohne Einschränkungen Gebrauch zu machen! Dies Steuersystem, erdacht von dem hervorragenden Joachim Schüttler, ist sehr gerecht. Es geht davon aus, daß alle Menschen gleich sind. Der ehrenwerte Joachim hat es uns aus einer künftigen Zeit mitgebracht, in der das Privileg des Adels nichts mehr gilt. Auf diesem ehernen Standpunkt fußt mein Steuergesetz. Richtet das dem Hohen Hause aus!“
Der Herzog verzog seine Miene, machte einen Diener und beeilte sich, hinauszukommen. Der König wollte sich gerade vom Thron erheben, da trat sein Berater Paprikus von Albanien vor ihn, verbeugte sich und sprach: „Majestät, auf ein Wort!“
„So sprich denn, mein lieber Paprikus!“
„Majestät, was wir soeben vernommen haben, solltet Ihr nicht unbeachtet lassen! Bedenkt, es ist im ganzen Reich* unüblich, vom Adel die Steuern einzutreiben! Bedenkt ferner, daß der edle Stand nicht nur über Nobilität, sondern auch über Mobilität verfügt! Mit anderen Worten, Eure Hoheit: Erheben wir Steuern, wird der Adel abwandern!“
„Mein lieber Paprikus, Ihr wißt, ich schätze Eure Expertise, doch diesmal redet Ihr dummes Zeug: Was ist das, Mobilität? Was Abwanderung? Das hat man doch noch nie gesehen, daß der Adel freiwillig seinen Besitzstand zurückläßt! Grundbesitz ist nicht mobil, wie ich Euch nicht zu erläutern brauche! Und alles nur, um dem Fiskus zu entfleuchen? Mit Verlaub, das kann ich nicht für bare Münze nehmen! Doch dennoch lasse ich Eure Anregung nicht unberücksichtigt: Ich werde ein Gesetz erlassen, daß jedermann seinen Besitz verliert, so er sich dauerhaft außer Landes ansiedelt. Denen werde ich es zeigen!“
Gesagt, getan. Das Steuersystem trat in Kraft, ebenso das neue Gesetz, das Abwanderung bestrafte. Das Volk dankte es dem König. Eine Woche lang wurde ausgelassen gefeiert. Es wurden die erlesensten Speisen aufgetischt, Hering aus Amerika, Tomaten aus Holland und Äpfel aus Neuseeland.
Den Höhepunkt der Feier bildete die Hochzeit Joachim Schüttlers mit der Tochter des Königs im Dom zu Burg. Da man sich mit dem Adel verkracht hatte, wurde das Volk in die Kirche gebeten. Alle Einwohner von Burg fanden in der Kathedrale Platz. Der Bischof fragte: „Willst du, Joachim Schüttler, Erfinder des gerechten Steuersystems, die Tochter des Königs Prinzessin Viktoria Luise Gustebine Adolfine zu Recklinghausen-Merseburg zu deinem angetrauten Weibe nehmen, sie hegen und pflegen, in guten und in schlechten Tagen, bis daß der Tod euch scheidet, so antworte mit ja!“ Daraufhin öffnete sich die Tür des Doms und jemand schrie ihnen etwas zu, das aber wegen der schlechten Akustik des Gebäudes verhallte. Der König stand auf und blickte erzürnt zum Ausgang: „Wer wagt es, diese heilige Zeremonie zu stören?“ Der Eindringling näherte sich dem Altarraum, wurde aber von der Leibwache des Königs im Zaum gehalten. „Herr Schüttler, ich würde mir gut überlegen, ob Ihr Euch mit des Königs Tochter vermählen wollt!“ Joachim fragte seine Verlobte, ob sie den Mann kenne, was sie jedoch verneinte. Der Mann versicherte die Wachen der Tatsache, daß er keine Waffen trug, dann stürmte er vor zum Altar und wandte sich an die Bevölkerung. „Bürger von Burg, König, Wachen, Herr Schüttler! Das Königreich Anhalt-Zerbst besteht nicht mehr. Hiermit proklamiert der Hohe Rat der Ehrwürdigsten Ständeversammlung des Landes die Ständerepublik Anhalt-Zerbst! Das Steuersystem wird abgeschafft! Der König und die königliche Familie werden zum Tode verurteilt! Widerstand ist zwecklos! Die Kirche ist umstellt!“

*Gemeint ist natürlich das Heilige Römische Reich deutscher Nation, d. Red.

Kommentare:

Der Fichtenkreuzschnabel hat gesagt…

Wo bist denn der 6. Teil? Was für fail !!! Könnt ihr nicht mal einen kompletten Text hochladen? Für Internet seid ihr echt zu dumm !!!

Slosc Brmlav hat gesagt…

Das ist doch kein Fortsetzungsroman???

Anonym hat gesagt…

Häää? was soll den bitte ein "wurmfortsatz-roman" sein? Überlege mal, bevor du schreibst.

Ditter Kohtwoche hat gesagt…

@alle: Blöd oder was? Das ist einfach nur eine Fortsetzungsgeschichte.

Lieber KREM: Ihr seid wirklich gut aber ihr zieht nicht die Schlauesten an.

Kommentar veröffentlichen