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Der Rechtsgrund (2)

„Das ist völliger Unsinn“, sagte der Justiziarrat zu dem Konsul, „ich sehe überhaupt keinen Grund dafür, daß wir diesen Begriff in das Strafgesetzbuch aufnehmen müssen. Außerdem werden in unserem Strafrecht keine Tätertypen mehr benannt, sondern lediglich Merkmale, die Tatbestände bilden. Somit ist der Begriff „Schreibtischtäter“ nicht zu gebrauchen.“ Der Justiziarrat war erregt, blieb aber sachlich. Der Konsul erwiderte: “Das Strafrecht braucht diese Bezeichnung aber ... es ist doch auch ganz logisch...wenn jemand jemanden mit einem Schreibtisch attackiert oder jemanden an einem Schreibtisch attackiert, dann ist er ein „Schreibtischtäter“. Ich verstehe einfach nicht, warum Sie das nicht wahrhaben wollen! Vielleicht sind Sie womöglich auch ein Schreibtischtäter und wollen deshalb diese Norm nicht haben...?“
Der Justiziarrat blieb weiterhin sachlich: „Ihre dumme Unterstellung werde ich einfach mal übergehen ... außerdem steht der Begriff „Schreibtischtäter“ schon für etwas ganz anderes, Sie können diesem Wort nicht einfach eine völlig neue Bedeutung geben ... ich weiß, ich weiß, Sie werden jetzt sagen, das Wort „Schreibtischtäter“ habe eine falsche Bedeutung und man müsse diese korrigieren. Dann würden sie noch dieses konstruierte Beispiel anführen, daß man ein Lebewesen, das offensichtlich ein Hund sei, aber von allen als Katze bezeichnet würde, in Hund unbennenen müsse, da es ja ein Hund sei. Es ist so unsinnig, was Sie von sich geben und sowieso...“. Der Konsul schaute aus dem Fenster, dann blickte er wieder zum Justiziarrat: „Tja, mein lieber Herr Kollege, ich habe aber auch hard facts, die meine These untermauern. Es gibt zwei Lehrbuchfälle, die sie kennen müssten. Zuerst einmal den „Sonder-Schubladen-Fall“ BGHSt 74, 12 und tatsächlich auch den „Schreibtisch-Fall“ RGSt 96, 34. Zwei furchtbare Verbrechen, eines spielte sich an einem Schreibtisch ab und eines wurde mit einem Schreibtisch ausgeführt. Näher möchte ich ich gar nicht auf die Fälle eingehen ... viel zu grausam ... und nie bestraft, da es bis heute keine „Schreibtischtäter“-Norm gibt.“ Der Konsul schaute selbstzufrieden daher. Der Justiziarrat lächelte und antwortete: „Und? Was ist damit jetzt bewiesen? Falls es diese beiden Fälle wirklich gegeben hätte, was aber nicht der Fall ist, da Sie sich diese eben ausgedacht haben, hätte man die Taten wahrscheinlich wunderbar unter den Straftatbestand der Körperverletzung oder einen verwandten Tatbestand subsumieren können. Herr Kollege, jetzt mal im Ernst, ist das nicht völlig ausreichend? Was wollen Sie denn überhaupt?“ Der Konsul holte gerade tief Luft, um zu antworten, dann flog die Tür auf und ein maskierter Mann stürmte hinein, er trug einen Schreibtisch bei sich. Der Konsul schrie um Hilfe, der Justiziarrat musste lachen. Doch das Lachen verging ihm, als der Mann auf ihn zu rannte, samt Schreibtisch. Der Konsul hatte sich bereits in eine Ecke geflüchtet und rief nur noch: „Hilfe, ein Schreibtischtäter! Ein gefährlicher Schreibtischtäter! Hilfe, Hilfe!“
Der Justiziarrat wusste nicht, was er tun sollte, dann überlegte er kurz, nahm den auf dem Boden stehenden Mülleimer und warf ihn gegen den maskierten Mann. Dieser blieb stehen und schrie: „Aua, das hat weh getan!“ „Hören Sie jetzt auf damit, Sie maskierter Idiot?“, fragte der Justiziarrat den Maskierten, „Ja, ich höre auf!“, antwortete dieser.
Der Konsul tat so, als wischte er sich Schweiß von der Stirn, dann sagte er sehr laut: „Puh, gerade noch mal Glück gehabt, da sind wir gerade nochmal einem schrecklichen Verbrechen entronnen. Aber jetzt sehen Sie, Herr Kollege, „Schreibtischtäter“ sind gefährlich und es gibt sie!“ Der Justiziarrat schaute den Konsul emotionslos an und zeigte auf den Unruhestifter: “Haben Sie diesen Trottel mit Maske engagiert? Sie sind so ein Idiot!“ Der Konsul schüttelte den Kopf, „Nein nein, natürlich nicht, das wäre doch nun wirklich etwas zu auffällig, das ist ein Zufall. Mein Ehrenwort.“ Der Justiziarrat lehnte sich inzwischen an den Schreibtisch des Maskierten und schloß die Augen „Ich gehe mir mal was zu trinken holen, dann reden wir weiter und der maskierte Idiot ist verschwunden, wenn ich wieder da bin! Bis gleich.“ Der Maskierte ärgerte sich und stammelte: „Der hat mich jetzt zweimal als Idioten bezeichnet, der ist selbst ein Idiot...“ Der Konsul ging schnell zu dem maskierten Mann und zückte schon seine Geldbörse: „Danke Uwe, daß du das gemacht hast, du siehst, ich habe den Justiziarrat praktisch schon im Sack ... so ... hier ... deine 500 Euronen, und jetzt verschwinde schnell, sonst bemerkt...“, da stand der Justiziarrat wieder in der Tür mit einem Glas Wasser in der Hand: „Sagen Sie mal, wie dumm sind Sie eigentlich? Zahlen Sie gerade ernsthaft Ihren Kumpel vor meinen Augen aus? Sie sind ein Idiot! Und Ihr Freund mit Maske und Schreibtisch ist ein Trottel! Ich habe keine Lust mehr, mit Ihnen zu reden!“ Der Justiziarrat trank sein Wasser aus, stellte das Glas auf den Boden und ging. Der Konsul ärgerte sich und trat gegen den Schreibtisch: „Oh Mann ey, so ein Mist ... mann ... warum bin ich so über die Maßen blöd ... das ist doch scheiße ... maaaann ...!“

Kommentare

Betun Perrle hat gesagt…
Ist es erlaubt, die Kommentarfunktion als Rechtsberatung zu nutzen?
Rüdiger Fahrenschon hat gesagt…
Eigentlich nicht. Ist es denn sehr dringlich?
Rechtsberatung hat gesagt…
Ich kann beraten!
Jetzt sitzen wir hier zusammen :) Leider können wir beide gar nichts mehr, wenn wir zusammen sitzen :(
Manuel Lené hat gesagt…
Herzlichen Glückwunsch, ihr Trottel ! ! !
Rechtsextremismus hat gesagt…
Ich könnte euch vom deutschen Pferd erzählen.
Apu Rosenfeld hat gesagt…
Inwiefern soll uns das hier in der konkreten Debatte weiterbringen, Herr Rechtsextremismus?
Rechtsextremismus hat gesagt…
Ich dachte ja nur ... Tut mir leid. Deutsche Pferde sind schöne Pferde!
Apu Rosenfeld hat gesagt…
Und das glaube ich Ihnen auch!
Rechtsverkehr hat gesagt…
Und fahren sie auch meistens links, d.h. bis auf ein paar Ausnahmen, die ja die Regel bestätigen?
Rechtsextremismus hat gesagt…
Sie fahren nicht, sie laufen. Aber ja.
Kann uns bitte mal jemand entzweien?!

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