Direkt zum Hauptbereich

Im Gespräch: Wladimir Putin

Wladimir Putin befindet sich zur Zeit in Deutschland. Zahllose Zeitungen haben über seinen Besuch berichtet, doch für ein Interview mit DER KREM hat sich Putin Zeit genommen. Freundlicherweise war er bereit, das Gespräch auf deutsch zu führen.

Es ist 08:00 Uhr morgens, als Wladimir Putin bei uns in der Redaktion erscheint. Er ist sehr elegant gekleidet. Wir bitten ihn auf unser Sofa, er setzt sich. Die Beine schlägt er übereinander und zündet sich nach unserer Erlaubnis eine Zigarette der Marke „Prince“ an.
Während wir noch ein letztes Mal die Fragen durchgehen, schließt er die Augen. Es scheint, als wolle er einen Augenblick entspannen, vielleicht ist er müde. Wir beginnen das Interview. Die erste Frage. Er nimmt sich lange Zeit für seine Antwort, er ist ernst. Dann muss er lachen. Wir lachen mit ihm, es ist sehr schön. Wir beginnen mit dem politischen, kontroversen Fragenteil. Putin weicht nicht aus, er stellt sich. Mit seinen Fäusten stemmt er sich auf das Sofa, die Zigarette hat er inzwischen aufgeraucht und auf das Kissen neben sich gelegt. Wir sprechen über Menschenrechtsverletzungen, die Opposition, politisches Handwerk. Wladimir, das „du“ hat er uns inzwischen angeboten, sitzt nur noch im Hemd da, das Jackett liegt griffbereit neben ihm. Seine Stimme ist eindringlich, nicht aber unangenehm. Die Ärmel sind hochgekrempelt.
Auch die Schuhe und Socken hat er abgelegt. Wo es zur Toilette gehe, fragt er uns, denn er muss mal. Da hinten rechts, dann erst mal geradeaus und dann links, sagen wir. Weltmännisch schreitet er zum WC. Wir warten. Es dauert, bis er wiederkommt. Als er zurückkehrt, sehen wir, dass er sich offensichtlich auf die Hose gepullert hat. Diesen Fauxpas übergehen wir natürlich einfach und stellen weiter unsere Fragen. Das Gespräch ist sofort wieder so intensiv wie vor seinem Verschwinden. Einzig der ca. 30 cm große Urinfleck auf seiner Hose möchte nicht trocknen. Wir müssen immer wieder darauf schauen, zu mal Wladimir abermals mit seiner rechten Hand auf ihm herumwischt. Mal streicht er darüber, mal klopft er darauf, mal zieht er Kreise mit seinem Finger auf ihm. Während er argumentiert, schlägt er mit seiner blanken Handfläche auf das Nass. Es gibt ein schmatzendes Geräusch. Nun formt er auch noch mit seinem rechten Zeigefinger, ganz beiläufig, den Umriss des Fleckes auf seinem noch trockenen Bein nach. Tschetschenien, Syrien, Nordkorea, seine nasse, nach frischem Urin riechende Hose.
Nach einer Stunde und zehn Minuten stellen wir die letzte Frage. Wladimir gibt seine letzte Antwort. Nach dem Gespräch streift er sein Jackett über, die Zigarette, die er auf das Sofa gelegt hat, nimmt er wortlos, wobei er uns anlächelt. Wir bedanken uns für das Interview, er sagt, das Gespräch habe ihm gefallen und er wolle wieder mit uns reden, sobald er Deutschland das nächste Mal besucht.

Wladimir Putin, Staatsmann und Kosmopolit. Nur wenige haben einen so tiefen Eindruck bei uns hinterlassen.

Das Gespräch führten Johanna Wangenschütz und Gerd von Rehlenhoff.

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Das ist ja Wahnsinn
Anonym hat gesagt…
Das ist absolut geschmacklos und nicht mal lustig.
Hier haben die Autoren mal wieder ein Beispiel dafür gebracht, wo der deutsche Journalismus 2013 steht.

Erwin Kot
Anonym hat gesagt…
erbärmlich...

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Gitarre

Am 17.02.2011 ging Walther Benarsky in Sölden zu dem Gitarrenbauer Franz Merten. Benarsky betrat den Laden, schaute sich ein wenig um, freute sich und schritt sodann zum Verkaufstresen: „Guten Tag, mein Name ist Benarsky, wir hatten telefoniert.“ Darauf der Gitarrenbauer: „Benarsky, Benarsky, genau, Benarsky! Tut mir leid, ich war gedanklich noch woanders. Genau, ich hole gleich mal ihre Gitarre, sie ist tatsächlich erst gestern Abend fertig geworden. Aber schön ist sie.“ Sodann verschwand er in einen kleinen Hinterraum. Er pfiff fröhlich die Melodie des Horst-Wessel-Liedes.

Zwei Jahre DER KREM

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kinder!
Es ist mir – davon bin ich überzeugt – eine Ehre, heute hier an meinem Computer zu sitzen und Ihnen diese Rede zu schreiben. Als technikaffiner Akademiker mit Do-it-yourself-Mentalität stehe ich dem Internet offen gegenüber. Mehr noch: Als Mensch ohne Migrationshintergrund bin ich (auch fachlich) interessiert, wie Informationsströme Grenzen überwinden und dabei soziale Prozesse auslösen. Damit nicht genug: Als besorgter Bürger mache ich mir Sorgen um unsere Sicherheit. Praktisch: Als gelernter Hubschrauberpilot kann ich Hubschrauber fliegen. Heute aber spreche ich zu Ihnen als der Techniksoziologe, der sich mit Leib und Seele der Techniksoziologie verschrieben hat. Gestatten, mein Name ist Kiter Verbel.

Ein Tag der Gotik

Bernd und Wumpe waren die ersten auf der Baustelle. Halb acht war gerade durch, beide frühstückten, die Sonne strahlte in den Rohbau des Kaufhauses. Die unverputzen Wände wie auch all die anderen unzähligen baustellentypischen Dinge rochen stark nach Unfertigkeit. „Es gibt hier noch viel zu tun!“, hätte über dem Szenario stehen können. Wumpe hatte soeben seine Stinkekäsestulle aufgegessen, da ging er vor die noch eingeschweißte Rolltreppe und stellte mit Entsetzen fest, wie häßlich er den gesamten Bau doch fand. Bernd verstand das nicht. Bernd verstand selten etwas. „Wieso häßlich?“, fragte er. „Naja, guck dir das doch mal alles an. Das sieht hier doch total nach Plastikschrott aus“, erwiderte Wumpe.